Droht Snapchat jetzt der Garaus? Vor kurzem lancierte Instagram eine – auf den ersten Blick dreiste – Kopie der beliebten Plattform Snapchat als neustes Feature, direkt integriert in die App. Bis dato wurde Instagram vor allem zum Posten und Bestaunen von schönen Bildern genutzt. Und ab sofort können in den sogenannten Instagram-Stories nun Fotos und Videos bis zu zehn Sekunden Länge gepostet werden, die chronologisch an einem Stück abgespielt werden und nach nur 24 Stunden wieder verschwinden. Genau das also, wofür Snapchat steht. Für mich und viele andere Snapchat-Liebhaber ein grosser Schock. Denn wir befürchteten schon da: Das ist das Ende von Snapchat.

Obwohl sich viele zum #TeamSnapchat zusammenschlossen und Snapchat die ewige Treue schworen, konvertierten bereits einige User zu Instagram-Stories. Besonders Marken erfreuen sich dort einer viel grösseren Reichweite als auf Snapchat. Zum Vergleich: Erreichte Nike mit Snapchat 66‘000 Follower, so konnten auf Instagram-Stories über 800‘000 Views erzielt werden (Quelle).

Das Beste von beidem

Verständlich, denn immerhin haben viele Instagram-Profile bereits eine fundierte Fan-Gemeinschaft. Und zusätzlich zu den schönen Bildern gibt es jetzt für alle Follower noch Live-Stories à la Behind the Scenes. Und dass diese kleinen unverfälschten Video- und Schnappschuss-Bonbons funktionieren, zeigte nicht nur Snapchat an sich, sondern auch die Tatsache, dass Instagram, also Facebook, also Mark Zuckerberg aka. der Guru des Social Media, die Idee nun für sich, nun, sagen wir, beansprucht hat.

Instagram schaut fast eins zu eins von Snapchat ab.
Instagram schaut fast eins zu eins von Snapchat ab.

Und Snapchat hat jetzt ein Problem. Denn egal, wie erbost viele Snapchat-Fans sind und Instagram-Stories boykottieren. Instagram hat das Potenzial, Snapchat in der Senke verschwinden zu lassen.

Instagrams Netzwerk-Vorteile

Schon das Finden von Personen oder Marken ist auf Snapchat nicht so einfach wie auf Instagram. Vorgeschlagene Profile, die denen ähneln, die man bereits mag, gibt es auch nicht. Instagram ist da klar im Vorteil. Denn es ist direkt mit Facebook verknüpft und kann so auf ungefähr 1.7 Milliarden Nutzer-Profile und deren Daten zugreifen. Ausserdem können Fotos von Instagram aus direkt auf andere Plattformen wie Facebook, Twitter und Tumblr geteilt werden. So werden natürlich auch immer neue User auf die Plattform gelockt. Dieser sogenannte Netzwerk-Effekt hat Snapchat als völlig von andern losgelöste Plattform nicht. Die einzige Möglichkeit, auf Snapchat interessante User zu finden, ist Mund-zu-Mund-Propaganda oder intensives Suchen auf anderen Plattformen oder Google.

Hinzu kommt, dass Instagram bereits eine der am meist genutzten Apps weltweit (Instagram zählt bis dato über 300 Mio täglich aktive Nutzer, im Vergleich: Snapchat zählt deren 150 Mio. Quelle) ist. So fällt für Instagram-Stories nicht nur das mühsame zusammensuchen von interessanten Accounts weg, sondern jeder User startet bereits mit einer treuen Community.

Diesen Vorteil spüren nicht nur die User, sondern ganz besonders auch Brands. Marken können für Instagram aus dem gleichen Marketing-Tool wie für Facebook Werbung schalten oder mit Influencern zusammenarbeiten und so dementsprechend kontrollieren, dass der Inhalt tatsächlich gesehen wird. Für Snapchat fehlt nämlich seit jeher der Zugang zu jeglichen Statistiken.
Instagram vereint nun sozusagen alle guten Features in einer App. Egal ob ich schöne Bilder betrachten oder Stories anschauen will – alles geschieht in nur einer App. Das ist nicht nur praktisch, sondern braucht auch noch weniger Speicherplatz auf dem Smartphone. Hinzu kommt ein massiv ausschlaggebender Faktor – Zeit.

Influencer, die sich auf Snapchat als Idole etabliert haben, stecken viel Zeit und Liebe in ihre Geschichten. Müssen sie sich nun zwischen Snapchat und Instagram-Stories entscheiden? Sollen sie alles doppelt filmen? Alles eine Frage der Zeit.

Und es ist auch die Zeit, die uns die Antwort bringen wird, ob Snapchat also letztlich eine App mehr ist, die gelöscht werden kann. Im Moment deutet vieles darauf hin, dass sich Instagram sein Stück vom Kuchen holen will…

Dazu ein passendes Video von Casey Neistat:

Übrigens finden Sie Farner auf Snapchat wie auch auf Instagram.