“Wenn es morgen regnet, dann schick’ mir heute Abend eine Nachricht auf mein Handy!” – Mit der richtigen App ist diese praktische Erinnerung in zwei Sekunden eingerichtet. Und die richtige App dafür heisst: IFTTT.

IFTTT – steht für “If This Then That” bzw. “Wenn dies, dann das”. Dieses Grundrezept, das im Prinzip hinter jeder komplexen Programmierung steckt, hilft lästige und zeitintensive Routine-Aufgaben mit ein paar Klicks zu automatisieren und praktische Work-Arounds einzurichten. Denn IFTTT kann Hunderte von Apps wie Facebook, Evernote, Instagram, Twitter, Gmail, Slack etc. und Geräte wie Smartphones, Amazons Echo, Googles Assistant, Nest Thermostat, Fitbit und Philips Hue usw. auf einfache Weise verbinden.

Dabei kann man vorgefertigte Applets (so heissen die kleinen Automatisierungsprogramme) auswählen und automatisch bestimmte Aufgaben ausführen lassen – egal ob es um das Wetter, das Verfolgen von Astronautenbesuchen im All oder ausgefeilte Business- oder Marketingaufgaben geht.

Mit dem aktuellen Relaunch der App lassen sich sogar noch mehr und komplexere Aktionen synchronisieren. So wurden u.a. mit der Unterstützung  von Amazons Echo-Box und des Google-Assistenten den aktuellsten Entwicklungen des boomenden “Internet of Things” und der “intelligenten” Chat-Bots weiter Rechnung getragen. Hier möchten ich allerdings erst einmal die grundlegenden Funktionen anhand von Beispielen aus dem Marketing-Alltag erläutern. Ach ja, IFTTT spricht sich übrigens aus wie “Lift” nur ohne “L”!

Zunächst stelle ich die Einrichtung und Funktionsweise mit einem einfachen Workflow vor, der hilft sich mit neuen Followern beim beliebten Microblogging-Dienst Twitter  in Verbindung zu setzten und sich bei ihnen personalisiert fürs Folgen zu bedanken. Anschliessend zeige ich noch exemplarisch, wie man andere geniale Applets für ein kostenloses Do-It-Yourself-Social-Media-Monitoring nutzen kann. Also, stay tuned!

Das Grundrezept:

Dieser schon etwas ältere Darstellung zeigt das Grundprinzip der IFTTT-Rezepte bzw. neu Applets: Ein bestimmtes Ereignis, z.B. das Veröffentlichen eines Bildes auf Instagram (Trigger) löst eine weitere festlegbare Aktion aus (Action), z.B. das Speichern des Bildes in einem ausgewähltem Dropbox-Ordner.
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Das Grundrezept (Applet) für die erfolgreiche Verknüpfung von Ereignissen (Services)

Okay! Nun aber los:

Den Weg vom Login zu ersten automatisierten “Quick-Wins” mit der mächtigen App, möchte ich mit Ihnen im Folgenden nun gerne gemeinsam beschreiten.

Zunächst benötigen wir die IFTTT-App: Diese findet sich hier für Google Android und hier für Apple iOS. Dort die Gratis-App einfach herunterladen und bei der Installation den angeforderten Berechtigungen zustimmen.

Ich beschreibe die folgenden Schritte anhand der Android App – die Einrichtung auf iPhones bzw. iOS sollte aber recht ähnlich verlaufen. Alternativ kann man sich aber auch auf der Webseite anmelden und dort alles etwas komfortabler einrichten: ifttt.com

Die weitere Anmeldung und Einrichtung ist denkbar einfach: Email und Passwort eingeben und los geht’s auch schon.

Das Login
Das Login ist schnell erstellt

Der Startbildschirm:

Der Startbildschirm
Vom Startbildschirm aus kann’s los gehen.

Die App zeigt sich recht übersichtlich und einfach gehalten. Während im oberen Bereich Vorschläge und Beispiele angezeigt werden, stehen unten drei Optionen zur Verfügung: 1. Discover, 2 Search und 3. My Applets.

  1. Discover: Hier kann man neue Applets entdecken und Empfehlungen für beliebte Applets erhalten.
  2. Search: Wie der Name schon sagt, können wir hier direkt nach Applets und Services suchen. Zudem gibt es hier nützliche Vorschläge für Anwendungskategorien.
  3. My Applets: Die bereits ausgewählten und aktivierten Applets lassen sich hier finden, bearbeiten und an- und ausstellen. Darüber hinaus kann man unter dem dort erscheinenden Reiter “Activity” den aktuellen Verlauf der laufenden Applets anschauen.

1. Mit wenigen Klicks zum ersten Applet: Sich bei neuen Twitter-Followern bedanken.

Der kürzeste Weg zu diesem Applet läuft über die Suche: “thank twitter followers” eingetippt et voilà, schon sehen wir die gewünschte Vorlage.

Die Suche
Die Suche führt am Schnellsten zum gewünschte Applet

Jetzt nur noch den Schalter umlegen um zu den Einstellungen zu gelangen. Nun können wir direkt oder mit einem Tipper auf das Zahnrädchen oben rechts die Feinjustierung vornehmen.

Wichtig: Jetzt oder gleich kommt die Aufforderung IFTTT mit dem eigenen Twitter-Profil zu verbinden. Hier nickt man die Aufforderungen nach den nötigen Berechtigungen noch ab. Wie noch keinen Twitter-Account? Dann aber asap hier anmelden und Teil des spannenden Echtzeit-Netzwerkes werden.

Turn-On
Turn-Me-On… Indem wir den Schalter aktivieren kommen wir zu den Einstellungen.

Die Konfiguration ist denkbar simpel: Oben können wir alternativ einen anderen Namen für das Applet eingeben. Für ganz Neugierige besteht noch darunter die Möglichkeit sich immer Benachrichtigen zu lassen wenn das Programm aktiv wurde (und sich die Log-Datei des Verlaufs anzuschauen). Und schliesslich können wir hier den englischen Begrüssungstext stehen lassen oder eine eigene Version eingeben. Z.B. eine deutsche Begrüssung, falls man nur auf deutschsprachige Follower zielt.

Der Platzhalter wird dabei jeweils automatisch durch den Follower-Namen ersetzt. Apropo Platzhalter – wenn man auf das Textfeld tippt kann man auch noch andere Infofelder einbinden; beispielsweise eine Ortsangabe, etc. Aus Marketingsicht lässt sich hier auch einen prima Call-to-Action einbauen,  wie etwa: “Danke fürs Folgen. Besuchen sie uns doch auch in unserem Online-Shop unter (LINK)” oder “…abonnieren sie hier (LINK) noch unseren Newsletter.”

Auch das Löschen dieses Applets ist hier jederzeit möglich. Allerdings können wir es noch gar nicht erwarten neuen Followern (für ihre weitsichtige Wahl ausgerechnet uns zu folgen:) zu danken, deswegen tippen wir noch oben auf das Häckchen und aktivieren erfolgreich unser erstes Applet! Bravo!!

ifttt-options

2. Weitere erprobte Rezepte: Low-Budget-Tracking für Twitter:

Das eigene Unternehmen, den Hashtag einer Veranstaltung oder ein bestimmtes Keyword tracken? – Kinderleicht mit dem Twitter-to-Slack-Rezept “Send live updates from Twitter to a Slack channel”.

Dieses Applet ist besonders interessant, da der Business-Messenger “Slack” aus unserem dynamischen Agenturalltag nicht mehr wegzudenken ist. Wer effizientes und zeitgemässes Kommunizieren der umständlichen und briefförmigen Email-Flut vorzieht sollte sich deshalb unbedingt hier das Slack-Tutorial meiner Kollegin Elena Scacchi anschauen.

So geht es mit einem Slack-Account nun weiter zu unserem Twitter-Tracking-Applet:

twitter-to-slack-ifttt-recipe-tutorial
Twitter Live-Monitoring mit Slack.

Die Suchbegriffe im oberen Bild sollten einen schnell zu diesem Rezept befördern. Ein beherzter Klick darauf eröffnet die Möglichkeit das Rezept zu aktivieren bzw. zu deaktivieren. Zudem gibt es hier einen Link zur erweiterten Twitter-Suche. Mit dieser kann man die Suchbegriffe einschränken bzw. mit Hashtags (z.B. “#FarnerEvents”) oder der Auswahl von Retweets (“include:retweets”), etc. ausweiten. Die dadurch generierte Suchformel wird dann rechts oben im Twitter-Suchfeld angezeigt und kann als Verfeinerung für das eigene Rezept kopiert und genutzt werden.

Doch zunächst heisst es, die richtigen Einstellungen vorzunehmen; dazu rufen wir rechts oben das Einstellungsmenü auf (das Zahnrad anklicken).

twitter-to-slack-ifttt-recipe-tutorial-on-off
Hier kann man das Applet (de-)aktivieren und die Einstellungen aufrufen.

In sechs Schritten durch das Einstellungsmenü

So präsentiert sich das Menü. Die nötigen Schritte erläutere ich weiter unten:

twitter-to-slack-preferences-ifttt-tutorial
Die Feineinstellungen des Monitoring-Applets.
  1.  Zunächst spendieren wir der Appletvorlage einen prägnanten Titel. In unserem Beispiel möchten wir alle Tweet-Erwähnungen unserer Agentur erhalten, weshalb wir einfach den Titel “Farner LiveTweets” vergeben.
  2. Wer auf keinen Fall etwas verpassen möchte, stellt hier noch die Benachrichtigungen für jeden eingegangenen Tweet ein.
  3. Hier gibt man den Suchbegriff ein. Wer die Suche eingrenzen oder Hashtags tracken möchte, tippt/kopiert hier die Such-Syntax aus der erweiterten Twitter-Suche ein (siehe hierzu auch die Anmerkung weiter oben). In unserem Fall möchten wir alle Mentions bzw. Tweets zu Farner plus die Infos über mögliche Retweets. Deswegen nutzen wir hier die Syntax “Farner include:retweets”. Wer auf die Retweets verzichten kann, gibt hier lediglich “Farner” als Suchwort ein. Tipp: Da nun auch möglicherweise irrelevante Tweets mit auftauchen, kann es besser sein nur die direkten @-Tweets bzw. #Haschtags  zu monitoren (z.B. @AgenturFarner oder #FarnerEvents).
  4.  Den Slack-Channel auswählen, in welchem die Tweets landen sollen. Tipp: Um den Überblick über die zahlreichen spannenden Farner-Posts und -Erwähnungen ;) nicht zu verlieren, am besten vorher einen neuen Slack-Channel erstellen und bei Bedarf das Team oder andere Stakeholder dazu einladen.
  5. Hier und in den folgenden Feldern lässt sich noch die Darstellung  der eingehenden Tweets definieren.
  6. Alles fertig? Dann nur noch die Zutatenliste abhaken und speichern und das Rezept anschliessend auf “On” stellen.

3. Und noch einen Tweet obendrauf: Do-It-Yourself Twitter-Monitoring

Mit der oben vorgestellten Lösung bleiben wir immer au jour was über uns und andere auf Twitter gesagt wird. Mit der folgenden Automatisierung gehen wir noch einen Schritt weiter und zeichnen die relevanten #Hashtags mit Hilfe eines Google-Drive-Sheets auf. Dies ersetzt zwar keine professionelle Monitoring-Lösung mit umfangreicheren Ergebnissen, detaillierten analytischen Funktionen und Metriken, gibt jedoch durch die bessere Archivierung weitere Einblicke und Auswertungsmöglichkeiten. Dies erlaubt zudem einen schnellen Research inerhalb eines Themengebiets.

Das passende Applet dazu ist auch schnell gefunden: Einfach Suchbegriff “Track #hashtag mentions in a Google Spreadsheet” in der App eingeben.

Tweet to sheet
Tweets automatisch in Google-Sheets speichern

Den Slider auf ON-Stellen über das Zahnrad oben rechts die Einstellungen aufrufen.

Die Einstellungen fürs Monitoring
Die Einstellungen fürs Monitoring

Auch hier lässt sich wieder der Titel ändern und Benachrichtigungen einstellen. Wichtig ist hier den/die richtigen Hashtags einzutragen die z.B. zu meinem Event oder Produkt, etc. kursieren (am besten vorher bei Twitter testen). Unten noch den Namen des Google-Spreadsheets eintragen. Dieses wird dann automatisch generiert und aktualisiert.

Wichtig: Voraussetzung ist natürlich ein Account bei den Diensten und die einmalige Verknüpfung dieser mit IFTTT wenn die App einen dazu auffordert.

So, zum Schluss nur noch oben den Haken setzen und sich auf das automatisierte Gratis-Monitoring freuen!