Sagt ein Bild mehr als tausend Worte? Wie unterstützen Bilder Botschaften? Wie nutzen wir die Macht des Bildes erfolgreich in der Kommunikation? Diese Fragen klärten Christian Bobst, preisgekrönter Fotograf, und Melody Gygax, Fotochefin der «Basler Zeitung», am 12. Januar 2017 am Farner «Grips & Chips» des Fachteams Campaigning und der Kreativ-Unit unter der Moderation des Chief Creative Officers Philipp Skrabal gemeinsam mit 50 interessierten Zuhörenden.

Bilder führen uns durch unseren Alltag. Sie informieren, beeinflussen Handlungen, lösen Emotionen aus. Das Wort Bildung schliesst das Bild mit ein, Vor-Bilder leiten uns. Wie Statistiken zeigen, werden auf Facebook täglich Bilder in dreistelliger Millionenhöhe hochgeladen und geteilt. Keystone beliefert die Schweizer Medien allein pro Tag mit 1200 aktuellen und für die Schweiz relevanten Bilder. Nur: Welche Macht haben diese Bilder?

Farner-Event «Die Macht des Bildes» des Farner-Fachteams CampaigningMit «Die Macht des Bildes» startete Farner eine neue «Grips & Chips»-Serie zum Thema Machtfaktoren im Campaigning. Begriffe wie Bild, Wort, Ton und Raum werden dabei mit Fachexperten analysiert und erläutert. Nach der Begrüssung und Einführung durch CEO Roman Geiser führte Philipp Skrabal seine Gäste in der Auftaktveranstaltung durch den Abend.

Als Fotochefin der «Basler Zeitung» ist Melody Gygax Gatekeeperin der Bilder und kann deren Kraft entsprechend einsetzen. «Es ist für mich zentral, dass wir uns dieser Macht überhaupt bewusst sind», meinte Gygax und stellte klar, dass situativ die Wirkung eines Buchstabenbildes gegenüber einer Fotografie viel grösser sein kann. Denn Botschaften werden transportiert – jede und jeder hat dazu sein eigenes Bild im Kopf.

Darum ist für Gygax auch der Mensch als Adressat das Wichtigste. Bilder bewegen die Menschen. Aber schöne Bilder können ihn auch an- und innehalten lassen. Gygax dazu: «Ich erachte es als meine Aufgabe, Bilder in den richtigen Kontext zu setzen.»

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Den richtigen Moment spüren

«Um Bilder zu machen, braucht es das Gespür für den richtigen Moment. Man muss das Geschehen zulassen und einen Teil der Kontrolle abgeben. Das perfekte Bild entsteht vielmals aus dem Zufall», erklärt Christian Bobst. Dass er dieses Gespür hat, bestätigt der vielfach ausgezeichnete Fotograf immer wieder mit seinen Werken.

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Bobst betonte, dass das Bild an sich noch keinen Wert habe. Erst durch das wiederholte Betrachten bekomme es Macht. Denn der Wert entsteht im Kopf.

Gerade diesen Wert sucht Gygax oft in Bilder, die ihr zugeschickt auf der Redaktion landen. Viele Agenturen oder Unternehmungen würden im Bild nur das Transportmittel sehen. Gute Schreibe sollte aber mit guten Bildern harmonieren. Mit Vorliebe schickt die «BAZ» ihre eigenen Fotografen, um Berichte zu dokumentieren: «Bilder müssen echt sein.»

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Führten die Gäste durch den Abend: Christian Bobst, Melody Gygax, Philipp Skrabal

Authentizität vs Inszenierung

Wie echt sind Bilder wirklich? Mit der Bildserie des abgetretenen US-Präsidenten Barack Obama forderte Philipp Skrabal die Referierenden heraus. Für Christian Bobst sind diese Bildstrecken zwar sehr authentisch, trotz allem aber inszeniert. «Diese Bilder sind zu perfekt, um authentisch zu sein. Um Authentizität zu erreichen, muss ein Spielfeld kreiert werden und dann muss man die Dinge geschehen lassen. Es geht wiederum um den Verlust der Kontrolle.»

Dem widersprach Melody Gygax: «Authentizität lässt sich nicht inszenieren.» Inszenieren bedeute aufbauen, authentisch bedeute aber pflücken. Unter diesem Aspekt lässt sich auch verstehen, wieso Wahlplakate grösstenteils starr wirken: «Wahlplakate sind ein Abbild des Menschen». Kandidierende sollten sich darum der Macht ihres Bildes bewusst sein. Für Bobst wie für Gygax ist aber klar, dass ein authentisches Bild in der Aufbereitung Zeit braucht.

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Bilder auf verschiedenen Kanälen

Nicht alle Bilder funktionieren auf allen Kanälen gleich. Für Social Media müssen einfache Bildwelten ohne Komplexität verwendet werden. Das liegt alleine am Format der Publikation, denn Bilder auf Instagram sind beispielsweise sehr klein. Gleiches gilt auch für das bewegte Bild. Für Christian Bobst ist klar: «Das bewegte Bild verliert durch seine Länge Wirkung.» Für ihn hänge es davon ab, ob und wie lange sich die Leute Zeit nehmen wollen, um sich ein Video anzuschauen: «Das bewegte Bild ersetzt das statische Bild nicht. Fotografie wird schneller aufgenommen!»

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Die Anlassreihe «Erfolgreich kommunizieren» des Fachteams Campaigning und der Kreativ-Unit finden im 3-Monats-Rhythmus an der Löwenstrasse 2 in Zürich statt. Einladungen werden vorgängig verschickt. Fotos der Auftaktveranstaltung «Die Macht des Bildes» sind auf Facebook zu sehen: Zur Bildgalerie 

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