Neues Jahr, neues Glück? Für viele Schweizerinnen und Schweizer beginnt mit dem neuen Jahr die Dating-Hochsaison. Um den Jahreswechsel steigen die Anmeldungen für Online-Dating-Angebote laut der Partnervermittlungs-Plattform ElitePartner jeweils um bis zu 100 Prozent an. Angesichts des Marktpotentials sollten die Online-Dating-Plattformen entsprechend  in die Kommunikation investieren.

Seinen Seelenverwandten im Internet kennenzulernen, ist heute nicht mehr verpönt. «In den letzten Jahren hat sich ein rasanter Wandel vollzogen. Heute schämt sich niemand mehr einzugestehen, dass Server und Computer ihrem zweisamen Glück auf die Sprünge geholfen haben», erklärt Paartherapeut Klaus Heer. Früher seien Hellseher und Kartenleser bei der Suche nach Liebesglück zu Hilfe gezogen worden, heutzutage verlasse man sich eher auf die Algorithmen von Online-Partnervermittlungen.

Weltweit suchen Millionen von Singles auf Dating-Apps oder -Plattformen wie Tinder, Blinq oder Zoosk nach der grossen Liebe – oder zumindest einem Bettpartner. Das Angebot an Apps oder Plattformen für Beziehungs- und Flirtwillige ist riesig und wöchentlich kommen neue Anwendungen dazu. Neben den bekannten Angeboten gibt es inzwischen sogar Plattformen, die sich spezifisch an Surfer, Speckfans, Tätowierte, Vielflieger oder Bartliebhaber richten.

Welchen Plattformen oder Apps sollen Singles vertrauen?

Jeder Anbieter behauptet von sich selbst, den Nutzern noch schneller zum perfekten Partner, spannenden Flirts oder gutem Sex zu verhelfen. Die kommunikativen Botschaften heben die Anwendungen jedoch kaum voneinander ab: Einmal steht da «Für besonders interessante, inspirierende Kontakte», ein anderes Mal «die besten Tools, um neue Kontakte zu knüpfen». Diese Beschreibungen könnten genauso gut von einem Business-Netzwerk stammen. Die Werbevideos von Tinder, Badoo und Co. verlaufen auch allesamt nach dem gleichen Schema.

Sogar die Erfolgsgeschichten sind grösstenteils austauschbar: «Nachdem wir einen Monat lang gechattet hatten, trafen wir uns und vom ersten Moment an verspürten wir eine tiefe Verbindung», «Nach nur einer Woche Chatten wollte ich diesen unglaublichen Mann treffen – die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe» oder «Wir haben beide je ein Kind und einen Hund und beim ersten Treffen bestätigte sich unsere Seelenverwandtschaft». Es überrascht kaum, dass die meisten Storys heterosexuelle Paarbeziehungen zum Thema haben, die irgendwann in einer Heirat kulminieren. Wahre Differenzierung sieht anders aus.

Zudem fällt auf, dass viele Anbieter ihre Botschaften nicht auf die Zielgruppe anzupassen scheinen. Tinder beispielsweise kommuniziert auf Social Media – passend zu den hauptsächlich jungen Nutzern – frech und oftmals sind die Posts mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Dies kommt auf Facebook, Instagram und Twitter gut an. Das Werbevideo für Tinder Plus oder die zur Verfügung stehenden Presse- und Blogbilder hingegen sprechen eine völlig andere Sprache, sie wirken uninspiriert und zeigen keine Alleinstellungsmerkmale.

Wenn sich ein Anbieter aber schon dazu entscheidet, aktiv zu kommunizieren, sollte er sich damit auch von seinen Wettbewerbern abheben. Folgende Tipps helfen dabei:

  • Die Zielgruppe muss klar definiert werden. «Singles mit Niveau» beispielsweise bietet zu viel Interpretationsspielraum. Nur wenn der Empfänger der Kommunikationsbotschaften bekannt ist, können die Botschaften, Massnahmen und Kanäle entsprechend ausgewählt werden.
  • Inhalte und Tonalität müssen über alle Touchpoints hinweg konsequent gespielt werden.
  • Markenbotschaften und Storys sollen über virales Potenzial verfügen. Erfolgsstorys wie die obigen reichen einfach nicht aus, um die breite Masse zu begeistern. Neue Ideen und Ansätze sind gefragt.