Wie können wir die Macht des Wortes in der strategischen Kommunikation am besten einsetzen? Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Erfolgreich kommunizieren» lud das Fachteam Campaigning am 30. März zum zweiten Mal nach «Die Macht des Bildes» zum «Grips & Chips»-Anlass im Schmidhof.

Es diskutierten:

  • Roger de Weck, Publizist und Generaldirektor SRG
  • Ulrich Knellwolf, Pfarrer und vielseitiger Autor
  • Simon Libsig, Spoken-Word-Künstler und Preisträger des Swiss Comedy Award 2009
  • Ursula Fraefel, Senior Consultant bei Farner Consulting und Moderation

Den Abend eröffnet Roman Geiser, CEO & Managing Partner bei Farner Consulting, und weist darauf hin, dass die Sprache unsere Wahrnehmung und somit die erlebte Realität beeinflusst. «Die Sprache prägt das Denken», stimmt Roger de Weck zu.

Rhetorik in der Politik

Welche Wirkungen durch das richtige Wort zur richtigen Zeit erzielt werden, ist in den Sozialwissenschaften vor allem am Beispiel der politischen Kommunikation untersucht worden. Dass die Rhetorik von Populisten wie Donald Trump auf Boulevard-Niveau ist, ist Teil ihrer Strategie, möglichst viele Menschen zu bewegen. Dabei müsste die Sprache eher die Komplexität der politischen Aufgaben spiegeln, so Roger de Weck. Einen Hoffnungsschimmer sieht er darin, «dass die Sprache mächtiger ist als die Macht.» Eine andere Sprache führt zu einem anderen Denken und relativiert so die vorherrschende Ideologie.

Roman Geiser eröffnet den Anlass (oben links); Roger de Weck (oben rechts); Ulrich Knellwolf (unten links); Simon Libsig (unten rechts)

Die Sprache der Religion

Aus theologischer Sicht ist das Christentum die wortmächtigste Religion, so Ulrich Knellwolf. «Auch Gott ist nichts, bevor er spricht», erklärt der Pfarrer und Autor von theologischen Fachwerken und Kriminalromanen. Dass am Anfang das Wort war, bedeutet, dass Kommunikation der Anfang aller Dinge ist. In seiner Sprachfähigkeit liege deshalb die eigentliche Macht des Menschen. Ob die Dinge so oder anders beschrieben werden – andere Worte prägen unsere Sicht und somit die weiteren Entscheidungen, die wir treffen.

Macht und Emotionen

Simon Libsig, Bühnenpoet und Sprachkünstler, erkundet die Macht der Sprache in der Poesie: «Wenn eine Geschichte keine Gefühle auslöst, ist sie machtlos.» Storytelling ist ein wirksamer Schlüssel in der Ansprache von Zielgruppen. Dabei macht Simon Libsig auf den kreativen Umgang mit der Sprache aufmerksam, den er bei Jugendlichen beobachtet hat. Nicht nur bei Gedichten und Kurzgeschichten, sondern auch bei Tweets und anderen Social Posts gilt: «Je kürzer der Text, desto schwieriger das Texten.» Wer in 140 Zeichen eine Botschaft ausdrücken kann, die viele Menschen bewegt, beweist seine Sprachbegabung.

Angesichts der Rhetorik bei Wahlkämpfen weist Simon Libsig darauf hin, dass nach seiner Einschätzung Barack Obama vor seiner Wahl zum US-Präsident in seinen Reden oft Metaphern benutzte und sich nach der Wahl stärker an Fakten orientierte. Diesen rhetorischen Unterschied zwischen Metaphern und Faktenorientierung sehen die Podiumsteilnehmer exemplarisch zwischen Donald Trump und Hillary Clinton, die aufgrund ihrer gewählten Ausdrucksweise nicht immer von allen Wahlberechtigten verstanden wurde.

Sprache hat auch immer mit dem Kampf um die Deutungshoheit über die soziale Wirklichkeit zu tun, wie Soziologinnen und Soziologen wissen. Macht hat, wer die Sprache der Zielgruppe spricht und diese von seinem Anliegen überzeugt.

Die Anlassreihe «Erfolgreich kommunizieren» des Fachteams Campaigning finden im 3-Monats-Rhythmus an der Löwenstrasse 2 in Zürich statt. Einladungen werden vorgängig verschickt. Fotos der Veranstaltungen sind auf Facebook zu sehen: «Die Macht des Bildes» und «Die Macht des Wortes»

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