Für Jung und Alt ist es zwischenzeitlich fast zur Selbstverständlichkeit geworden: Wer Informationen sucht, der findet sie im Internet. Physische Nachschlagewerke werden durch Suchmaschinen wie Google ersetzt – schnell und umfassend.

So auch, wenn es um Fragen zur Gesundheit geht. Krankheitsbilder und -symptome werden vor dem Gang zum Arzt auf eigene Faust mit Hilfe digitaler Informationsplattformen recherchiert und analysiert. Das stellt nicht nur Ärzte, sondern auch Spitaler vor neue Herausforderungen. Der «empowered patient» ist informiert und befähigt. Tritt heute ein Patient in ein Spital ein, verfügt er dank Internet-Recherche bereits über viele (mehr oder weniger) hilfreiche Informationen zu Krankheit, Behandlungsmethoden, Spitälern oder Ärzte- und Pflegeteams.

Hohe Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem trotz fehlender Transparenz

Gemäss dem Interpharma Gesundheitsmonitor 2016, der seit 1996 einmal jährlich durch das Forschungsinstitut gfs.bern erhoben wird, haben 4 von 5 Schweizern von hiesigen Gesundheitswesen einen sehr oder eher positiven Eindruck. Dass die Schweiz wenn auch eines der teuersten, so doch eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat, wird uns auch im internationalen Vergleich immer wieder attestiert.

Was aber grösstenteils fehlt, sind gesicherte Erkenntnisse und Daten zur Qualität einzelner Leistungserbringer und Leistungen. Diese würden es nicht nur den Patientinnen und Patienten erleichtern, ihre Wahl zu treffen, sie würden auch den Verantwortlichen ermöglichen, Schwachstellen im System konkret anzugehen und auszuhebeln. Bis heute findet keine systematische Datenerhebung statt, die eine umfassende Transparenz über Prozesse im Gesundheitswesen zulässt.

Bereits 2011 kritisierte ein OECD-Bericht zum Schweizer Gesundheitssystem, dass es in der Schweiz nicht nur grundsätzlich an Datenmaterial fehle, sondern dass auch das Sammeln von Daten zu wenig forciert werde. Die KPMG hat diese Kritik im Mai 2017 mit einer eigenen Studie untermalt und betont, dass eine höhere Transparenz im Gesundheitswesen die Qualität der medizinischen Leistungen verbessern und langfristig zu stabileren Kosten beitragen könne. Davon würden die Patienten im hohen Mass profitieren.

Die Studie zeigt verschiedene Aspekte der Transparenz:

  • So schneiden Transparenz-Bemühungen in Bezug auf die Governance und die Patienten-Zufriedenheit relativ hoch ab (je 69%).
  • Die Kommunikation zu erhobenen Gesundheitsdaten (36%) sowie die Qualität der Leistungserbringung (33%) wird aber deutlich als wenig transparent empfunden.

Veröffentlichung der Daten bringt Wettbewerbsvorteile

Das komplexe Gesundheitssystem der Schweiz mit seinen föderalistischen Strukturen macht eine einheitliche und vergleichbare Erhebung von Daten zweifellos nicht einfach. Auch mit der Veröffentlichung des Datenmaterials tut man sich schwer. Gleichermassen dämpfte Santésuisse-Direktorin Verena Nold in einem NZZ-Interview auch die Erwartungen: «Daten zu haben, ist nicht per se gut; entscheidend ist, was man damit anstellt.»

Oder anderes gesagt: Entscheidend ist sicher auch, wer die Fähigkeit hat, die Daten richtig zu interpretieren. Der Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) hält fest, dass Spitaldaten auf der ANQ-Website sehr wohl in einem national einheitlichen Format zugänglich, aber eben nicht von allen gleich lesbar seien.

Insbesondere Spitäler tun gut daran, ihre Datenerhebungen öffentlich zu machen. Wie nämlich der Gesundheitsmonitor 2016 von Interpharma festhält, wollen 82% der Befragten die Qualitätsdaten eines Spitales kennen, bevor sie sich für das Spital oder die Klinik entscheiden. Das hat die Vergleichsplattform Comparis erkannt und ermöglicht in Zusammenarbeit mit Spitälern und Kliniken sowie auf der Basis von standardisierten Fragebögen einen Spitalvergleich für Patientinnen und Patienten.

Ob damit langfristig die Qualität an den einzelnen Gesundheitsinstitutionen nachhaltig erhöht werden kann, bleibt zu hoffen, ist aber aus heutiger Sicht noch ergebnisoffen. Klar ist hingegen: Im künftigen Wettbewerb unter den Spitälern kann die Bereitstellung von Daten die öffentliche Wahrnehmung der Spitäler und ihrer Leistungen deutlich steigern. Durch gleichzeitige Erhöhung der Visibilität im Web sind Faktoren gegeben, mit welchen sich ein Spital gegenüber der Konkurrenz abheben kann.

Licht im Daten-Dschungel bringt, wenn transparent und nachvollziehbar aufgearbeitet, klare Wettbewerbsvorteile. Aus kommunikativer Sicht sind sie – gemeinsam mit einem sorgfältig umzusetzenden Content Management – ein gewichtiger Plus-Punkt im Kommunikationsmix, damit ein Spital langfristig in der wettbewerblich gewordenen Spital-Landschaft seinen Platz halten kann.

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