Das Research & Insights-Tool Themenpuls.ch zeigt, welche politischen Angelegenheiten die Online-Leserschaft der Schweiz am meisten bewegten. Das erste Halbjahr 2017 stand ganz im Zeichen weltpolitischer Ereignisse und der Dauerbrenner Migration, Integration und Tierschutz. Nur ein Grosi landete mit einem konkreten politischen Anliegen an die Schweizer Bundespolitik in den vordersten Rängen. Und auch die Schweizer Abstimmungsvorlagen finden sich unter ferner liefen.

In den letzten fünf Monaten schafften es erstaunlich viele Artikel mit politischem Inhalt an die Spitze. 15 der 22 Artikel mit den meisterzeugten Reaktionen lassen sich eindeutig dem Ressort Politik zuordnen. Dabei dominieren News zur Weltpolitik und zu politischen Ereignissen im Ausland. Dies waren die Themen:

Die zwei erstgenannten Themen sind an Wahlen/Abstimmungen und damit an zeitlich begrenzte Ereignisse gebunden. Die beiden anderen hingegen (Donald Trump, Kampf gegen den IS) hatten bereits in der Vergangenheit viele Reaktionen ausgelöst und dürften dies weiterhin tun.

Darüber hinaus bewegten die Themen Migration, Integration und Tierschutz, und zwar in Bezug auf internationale wie auch nationale Ereignisse und Sachverhalte. Dies entspricht Beobachtungen von 2016. Zu den Dauerbrennern zählen demnach:

  • Donald Trump
  • Kampf gegen den IS und den IS-Terror
  • Migration und Integration
  • Tierschutz

Politische Forderungen, welche die Schweiz bewegen

Mit Blick auf die Schweizer Politik bewegte folgende Berichterstattung:

Migration: Der unberechtigte Bezug von Sozialhilfe und die Thematik «Asylberechtigung/Wirtschaftsflüchtlinge» stehen bei diesem Artikel im Vordergrund. Viele Eritreer würden sich nicht wie an Leib und Leben bedrohte Flüchtlinge verhalten, weil sie regelmässig zurück in ihr Ursprungsland fliegen und wieder in die Schweiz einreisen. Der Artikel verweist darauf, dass vier von fünf Eritreer in der Schweiz Sozialhilfe beziehen. Die Frage wird aufgeworfen, ob diese zu grosszügig ausfalle.

Integration: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gibt den Schweizer Behörden Recht, die den Besuch des Schwimmunterrichts für zwei muslimische Mädchen für obligatorisch erklärten. Auch andere Artikel zu vergleichbaren Themen bewegten in der Vergangenheit bereits. Man erinnere sich etwa an 2016, als zwei Schüler aus Therwil aufgrund ihres Glaubens eine Händedruck-Dispens forderten. Die Frage, wo Religionsfreiheit aufhört und wozu Integration verpflichten soll, scheint die Leserschaft in besonderem Masse zu einer Reaktion zu bewegen.

Tierschutz: Immer mehr Leute in der Schweiz würden Jacken mit echtem Pelz tragen. 20minuten hat auf der Strasse bei Pelzträgern nachgefragt, was sie über ihren Pelz wissen und wieso sie ihn tragen.

All diesen Artikeln ist gemeinsam, dass sie kein laufendes politisches Geschäft oder ausformulierte politische Forderungen thematisieren. Zwei Artikel im Tages-Anzeiger und im 20minuten fallen jedoch aus diesem Rahmen. Die Story: «Gangster-Grosi» verübt Vandalenakt. Am 11. April griff die Friedensaktivistin Louise Schneider anlässlich der Lancierung der GSOA-Initiative «Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» zur Spraydose. Damit schrieb sie vor dem Gebäude der Schweizer Nationalbank den Satz «Geld für Waffen tötet!» hin.

Eine Analyse der übrigen Medienberichte zur besagten Initiative legt den Schluss nahe, dass die Story nicht aufgrund der politischen Forderung, sondern vielmehr wegen der PR-Aktion dermassen stark bewegte. Des Weiteren fällt auf, dass über diese Aktion aussergewöhnlich viel auf den Online-Plattformen der Zeitungen sowie auf Facebook diskutiert wurde.

Die Gewinner sind …

Diese fünf Artikel zur Schweizer Politik bewegten die Online-Leserschaft 2017 am meisten:

Vertieft ausgewertet wurden die 39 Online-Artikel im Zeitraum 01. Januar bis 31. Mai, die mehr als 15’000 Reaktionen auslösten.

Obschon in den letzten fünf Monaten politische Themen in besonderem Masse bewegten, gilt noch immer, dass auf dem Podest zumeist Artikel mit nicht-politischem Inhalt zu finden sind. Auf den 1. Rang schaffte es der unterhaltsame Artikel «Diese 22 (leider wahren) Cartoons zeigen, wie sich unsere Gesellschaft verändert hat» von Simone Meier auf watson.ch. Zur Bestplatzierung reichten gerade mal 34 Wörter. Platz 2 geht an einen «Blick am Abend»-Artikel, der eine humanitäre Aktion diverser Hollywood- und Sport-Stars in Zusammenarbeit mit Turkish Airlines aufgreift.

Auf den ersten sieben Rängen schafften es gerade mal drei Artikel mit politischem Inhalt, wobei auch bei diesen Veröffentlichungen andere Aspekte für die Reaktionen der Leserschaft ausschlaggebend gewesen sein dürften. Auf Platz 3 findet sich denn auch ein Blick-Artikel auf Türkisch, in welchem die Zeitung für ein Nein zum Verfassungsreferendum in der Türkei warb – eher ein weiterer PR-Coup.

Und wo bleiben die Abstimmungsthemen?

Bei all dem fällt auf, dass die vier Abstimmungsvorlagen vom 21. Mai und 12. Februar vergleichsweise wenig Beachtung fanden. 2017 stimmte die Schweiz auf Bundesebene über folgende Vorlagen ab.

  • Unternehmenssteuerreform III
  • Erleichterte Einbürgerung
  • Schaffung eines Fonds für die Nationalstrassen und den Agglomerationsverkehr
  • Energiegesetz

Zu diesen Vorlagen erzeugten insgesamt 77 Online-Artikel jeweils mindestens 1’000 Reaktionen, wobei sie im Durchschnitt 2’300 Reaktionen auslösten. Diese Werte entsprechen in etwa jenen aus dem Vorjahr. Die Berichterstattung zu den Abstimmungen hat demzufolge gleich stark bewegt wie im letzten Jahr und die Abstimmungsthemen mögen nicht als Erklärungsansatz herhalten.

Die Unternehmenssteuerreform III sowie die Erleichterte Einbürgerung schienen dabei die Leserschaft etwas mehr beschäftigt zu haben als das Energie-Gesetz und die Schaffung eines Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds. Unter dem Strich bleibt jedenfalls festzuhalten, dass es Online-Artikel zu Abstimmungsthemen kaum in die vorderen Ränge schaffen. Solche Beiträge mit über 15’000 ausgelösten Reaktionen haben Seltenheitswert.

Diese Online-Artikel zu Abstimmungsvorlagen erzeugten zwischen dem 1. Januar und dem 31. Mai 2017 am meisten Reaktion.

Zu Themenpuls

Die Resultate zur Medienpräsenz der politischen Parteien basieren auf Daten der Web-Plattform Themenpuls.ch. Themenpuls ist ein Service von Farner Consulting AG und Kuble AG. Die Web-Plattform erlaubt es, die online erschienenen Medienartikel nach Reaktionen im Web und Themen auszuwerten. Die Auswertung von Farner basiert auf jenen Artikeln, welche besonders viele Reaktionen im Web auslösten, um die Aussagekraft betreffend Medienpräsenz zu gewährleisten. Artikel ohne Resonanz könnten ein falsches Verständnis von Medienpräsenz vermitteln.

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