Wie sieht das Banking in 20 Jahren aus? Diese Frage vermag heute noch niemand zu beantworten. Doch diskutiert werden muss sie. Daher lud Farner Consulting am 30. Mai 2017 drei Experten auf dem Gebiet ein, zur Zukunft des Banking in die sprichwörtliche Glaskugel zu schauen:

  • Hanspeter Ackermann, CEO Bank Cler
  • Michael Rogenmoser, General Manager CH/FL Avaloq
  • Peter Schnürer, Head of Professional Services Banking, Inventx

Eröffnet wurde der Abend von Urs Knapp, Partner bei Farner und Leiter des Teams Financial Communications. Er wies darauf hin, dass Farner nicht glaubt, dass die Banken dem Untergang geweiht sind – trotz aller Veränderungen, denen sie derzeit ausgesetzt sind. Allerdings gibt es neue Kundenbedürfnisse, die eine neue Kommunikation verlangen. Indem die Banken diese erfüllen, tragen sie zu ihrem Fortbestand bei.

Urs Knapp (Moderation) mit den Referenten Peter Schnürer, Michael Rogenmoser und Hanspeter Ackermann (v.l.n.r.)

Das Blau des Engadiner Himmels: Wie die Bank Cler sich für die Zukunft wappnet

Die grössten Herausforderungen, die Hanspeter Ackermann (CEO Bank Cler) auf die Banken zukommen sieht, sind mit Schlagwörtern wie Digitalisierung, Niedrigzins, Umbruch Finanzplatz und Regulationen umrissen. Durch die Neupositionierung rüstet die Bank Cler sich sozusagen für den Wettbewerb der Zukunft. «Cler» ist das rätoromanische Wort für klar und verständlich, und genauso möchte die Bank auch gegenüber ihren Kunden auftreten.

Die erste Filiale im neuen Design hat die jüngste Bank der Schweiz in Zürich eröffnet: Diese erinnert an ein modernes Loft mit Kaffee-Automaten, einer Kinderspielecke und vielen Sitzgelegenheiten, in denen z.B. Grossmütter in Ruhe stricken können. Einen Bankschalter sucht man dagegen vergebens: «Wir gehen davon aus, dass die Kunden für eine Beratung zurückkommen, wenn es ihnen in den Filialen gefällt», erklärt Hanspeter Ackermann.

Mit dem neuen Auftritt und einer innovativen Produktpalette will die Bank Cler alle Kundengruppen ansprechen und z.B. sowohl die Digital Natives als auch die Rentner erreichen.  Zu diesen Produkten zählt neben mycler.ch, dem mobilen Angebot für Junge, u. a. auch ein digitaler Gesprächscoach.

Den Bankkunden durch Convenience begeistern

Als Beispiel, wie das Banking der Zukunft aussehen könnte, wählt Michael Rogenmoser von Avaloq einen bekannten Retailer: IKEA. Das Einrichtungshaus setzt zusätzlich zum altbewährten Papierkatalog Augmented-Reality-Tools ein, mit denen der Kunde das Möbelstück virtuell in der Wohnung platzieren kann. So muss er nach dem Kauf nicht mehr frustriert feststellen, dass er die Wohnräume falsch ausgemessen hat. Diese Augmented-Reality-Tools bieten dem Kunden Convenience in noch nie da gewesenem Ausmass. Die Bankkunden erleben diese Konsumprodukte neu – und für Rogenmoser wird Convenience somit auch zum Hauptgrundbedürfnis im Banking der Zukunft.

In der Studie The Experience Factor: The New Growth Engine in Wealth Management hat EY Private-Banking-Kunden befragt, was sie sich von ihrer Bank wünschen: 46% der Befragten nannten effiziente und intuitive Prozesse. Rogenmoser ist sich sicher: Wenn Apple-Kunden eine solche Frage gestellt worden wäre, hätten diese nicht so geantwortet. Denn für Apple ist intuitive Benutzerführung ein Selbstverständnis. Für die Banken sollte dieser Anspruch ebenso selbstverständlich werden.

Banken sollten Innovation nicht nur den FinTechs überlassen. Sich selbst als Teil eines innovativen Digital-Banking-Ökosystems zu sehen, sei der einzig gangbare Weg in eine erfolgreiche Zukunft.

Vom Internet of Things zum Internet of Money

Peter Schnürer von Inventx stellt die Idee des Internet of Money vor: Diese beginnt mit der Feststellung, dass in unserer modernen Welt Geld-, Daten- und Warenströme zunehmend verschmelzen. Der Trend zur Digitalisierung führt dazu, dass physische Güter im Internet of Things durch Daten ersetzt und nur noch gestreamt, gedownloadet oder als Service bezogen werden. Prägnanteste Prognose zu dieser Entwicklung: «Künftig kaufen wir keinen Turnschuh im Laden mehr, sondern wir kaufen online eine Lizenz, um uns den Turnschuh im 3D-Drucker ausdrucken zu können.»

Und auch unser Geld wird zunehmend digital. Mit den mittlerweile mehr als 700 verschiedenen Krypto-Währungen repräsentieren Daten das Geld nicht mehr, sie sind das Geld. So wird das Geld ins Internet verlagert und der Geldfluss unterscheidet sich kaum mehr von einer E-Mail oder einem Katzenvideo.

Schnürer prognostiziert, dass im Jahr 2020 40% des Datenverkehrs auf Machine-to-Machine-Kommunikation beruhen wird. Dieser Datenverkehr wird laut Schnürer aus Informationen und Transaktionen bestehen. Das würde bedeuten, dass der vielzitierte smarte Kühlschrank nicht nur die Milch nachbestellen kann, wenn sie zur Neige gegangen ist, sondern er kann auch die Bezahlung auslösen. Die Finanzdienstleistung wird somit in den Prozess eingebettet und das Internet of Things wird zum Internet of Money mit der Blockchain als einer Art IoT-Betriebssystem.

Für das Banking der Zukunft bedeutet diese Entwicklung, dass Kernelemente des Banking, nämlich das Vertrauen und die Schnittstelle zum Kunden, quasi automatisiert hergestellt werden können. Womöglich wird künftig nicht mehr der Bankberater den Kunden und seine Finanzströme besser kennen, sondern eben der Kühlschrank, das autonome Auto oder das Fitnessarmband. Provokantes Fazit von Peter Schnürer: Nicht das Silicon Valley könnte die grösste Konkurrenz für die Banken in der Zukunft sein, sondern die Industrieunternehmen, die vernetzte Produkte herstellen. Es öffnen sich hier vielleicht aber auch sehr vielversprechende Türen für innovative Kooperationsmodelle.

Einen Blick in die Zukunft wagen

Das Bankenwesen steht vor einem spannenden Umbruch, dem die Referenten mit Respekt, aber auch mit Optimismus entgegensehen. Auf die abschliessende Frage nach ihrer eigenen Rolle im Zuge dieses Wandels nannte Peter Schnürer sein weiteres Engagement als Cryptofinance-Experte und Referent zu diesem Thema, Michael Rogenmoser betonte die Hub-Funktion, die Avaloq als Befähiger der Banken für deren innovative Positionierung einnimmt, und Hanspeter Ackermann freut sich darauf, eine der transparentesten und dynamischsten Schweizer Bank zum Erfolg zu führen.

Fotos der Veranstaltung finden Sie bei Farners Facebook-Account. Der Anlass wurde organisiert von Marcus Balogh (Senior Consultant) und Toby Felder (Senior Consultant), der Beitrag wurde geschrieben von Anka Kästner (Senior Consultant) und Susanne Klein (PR Executive).

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