Einmal jährlich versammelt der Schweizer Verband der Maschinenindustrie Swissmem seine Mitglieder und Partner zum «Industrietag». Am 20. Juni pilgerten wiederum ca. 1’000 Unternehmensführer, CEOs, Berater, Vertreter aus Wissenschaft, Forschung, Politik und Verbänden zu ihrem bedeutendsten Branchentreff. Dieser fand dieses Jahr in Lausanne in den eindrücklichen Hallen des SwissTech Convention Centers auf dem Gelände der EPFL statt.

Auch in Zeiten der virtuellen und durch Soziale Medien geprägten Kommunikation bleibt offenbar das Bedürfnis nach einem direkten, persönlichen Austausch, nach einem buchstäblichen «Touch Point», der Menschen zusammenführt, die ähnliche Visionen, aber auch ähnliche Herausforderungen eint. Von ABB bis Zürcher Kantonalbank war alles vertreten, was in der Schweiz Rang und Namen hat. Unzählige der Schweizer «Hidden Champions» – Marktführer in ihrer Nische – fanden sich zusammen; Farner-Kunden wie die Mowag oder Bühler reisten selbst aus der tiefsten Ostschweiz von Kreuzlingen oder Uzwil in die «Capitale Olympique» an.

Doch auch wenn die Schweiz nunmehr seit sieben Jahren in Folge als Innovationsweltmeister gilt, lässt das Thema Innovation die Schweizer Industrie nicht los. Daher auch das Motto des Anlasses: «unternehmerisch – vernetzt – innovativ». Ein Querschnitt über die Themen der Referate und Diskussionen findet sich hier: https://www.swissmem.ch/de/news/news/grosser-publikumsaufmarsch-am-swissmem-industrietag-1.html

Ein Aspekt aus der Rede von Hans Hess, Präsident Swissmen, verdient es, aus Farner-Sicht hervorgehoben zu werden: Die Zeiten des «Happy Engineering» in der Schweizer Maschinenindustrie sind vorbei; der Kundennutzen steht im Vordergrund. Doch mit der Digitalisierung steigt der Innovationsdruck. Innovationsfreudige Unternehmen müssen eine Unternehmenskultur der Offenheit, Neugierde, Kooperation und Bereitschaft zu experimentieren pflegen. Kooperation innerhalb der Unternehmen wie auch unternehmensüberschreitend wird zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor. Eine aktuelle Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz konstatiert, dass sich die Chance zu innovieren bei Firmen verdoppelt, die mit Dritten kooperieren. Doch zeigen Erhebungen der Swissmem, dass nach wie vor rund die Hälfte der MEM-Unternehmen versucht, alles selbst zu machen. Hans Hess sieht dies als verpasste Chancen. Dem pflichten wir bei, denn auch in unserer Erfahrung bauen Schweizer Industrieunternehmen noch immer lieber ihre Kommunikationsabteilungen aus, anstatt eine Agentur als «verlängerte Werkbank» für die Kommunikationsberatung und -umsetzung beizuziehen.

Das Argument ist zumeist, dass die Produkte und Technologien so hoch kompliziert seien, dass selbst die internen Kommunikationsleute erst nach längerer Einarbeitungszeit überhaupt verstehen, was das Unternehmen so erfolgreich in seiner Nische produziert. Aus dem Referat von Guerrino De Luca, Verwaltungsratspräsident von Logitech, konnte man hingegen noch etwas anderes heraushören: Erfolgreiche Produkte verkaufen sich je länger je mehr über ihren Brand. Das muss nicht zwingend der Firmenname sein, sondern kann – je nach Zielgruppe – auch für jedes Geschäftsfeld ein eigener Sub-Brand sein. Hauptsache: Das Branding «spricht» die Sprache des Kunden, zeigt den Kundennutzen auf und macht das Produkt für den Kunden emotional erlebbar. Sein Aufruf an die versammelte Schweizer Maschinenindustrie: Lernt aus anderen Branchen, übernehmt deren Erfahrungen und Erkenntnisse und adaptiert sie für weiteren Erfolg.