Die Digitalisierung verändert unser Leben. Wir kaufen vermehrt online ein, wir informieren uns vor dem nächsten Restaurant-Besuch oder der nächsten Reise auf Online-Bewertungsplattformen, wir buchen anschliessend den Tisch oder die Reise online, wir kommunizieren via E-Mail, WhatsApp, Skype etc. Die Möglichkeiten sind vielfältig, ebenso die Anbieter und die Plattformen. Und bei Gesundheitsthemen geht es uns nicht anders.

Jede 20. Suchabfrage bei Google im Zusammenhang mit Gesundheit

Auch wenn sich in der Schweiz noch keine flächendeckenden Angebote durchgesetzt haben, nutzen Patienten die digitalen Möglichkeiten mehr und mehr. Auch bei der Gesundheit, respektive im Falle einer Krankheit, ist der Griff zum Smartphone mitunter das erste, was einer Person einfällt. Sei dies bei Dr. Google oder durch den Austausch mit Peers.

Betroffene suchen häufig den Austausch mit Gleichgesinnten. Über den Umgang mit der Diagnose, Hilfsmittel oder den ganz normalen Alltag. Diesen Austausch finden heute viele im Internet. So erstaunt es nicht, dass sich bereits jede 20. Suchanfrage bei Google um ein Gesundheitsthema handelt – Tendenz steigend. Hier bietet sich ein enormes Potential für Anbieter und Leistungserbringer im Gesundheitssystem.

Wie kann dieses Potential genutzt werden? Unternehmen und auch Leistungserbringer kommen nicht darum herum, sich über neue Wege und Kanäle zu positionieren und dahinzugehen, wo sich die Kunden/Patienten aufhalten. Die Antwort lautet: Bei Dr. Google. Dabei stellen sich mehrere Fragen:

  • Wie wird man als Anbieter sichtbar bei Google?
  • Mit welchen Inhalten tritt man auf?
  • Welches Angebot stellt man den Kunden/Patienten zur Verfügung?
  • Wie stellt man sicher, dass immer aktuelle Informationen vorhanden sind?

In diesem Blogartikel möchten wir – in Anbetracht der obigen Herausforderungen – auf eine spezifische Möglichkeit eingehen: Online-Communities.

Online-Communities: langfristige Benefits

Eine Online-Community ist eine Plattform, auf der sich Personen zu einem spezifischen Thema austauschen. Wie dies funktioniert, erklären wir am Beispiel einer Diabetes-Community, die Farner mit aufbauen durfte und heute noch betreut.

Die Herausforderung:

Im Jahre 2014 lancierte Roche Diabetes Care zusammen mit Farner die erste interaktive 360° «Direct to Consumer»-Kampagne für ein Blutzuckermessgerät in der Schweiz – die Plattform «mein-blutzucker.ch».

Auf der Plattform fanden Typ 1 Diabetes-Betroffene diverse Informationen: Interessante Blogbeiträge, spannende Fakten aus der Forschung, Videos mit Testimonials und ein Testangebot für das Blutzuckermessgerät. Die Plattform wurde mittels Social Media Marketing und Social Advertising beworben und das Projekt wurde zum grossen Erfolg. Doch zwei Jahre später war die Zielgruppe nahezu ausgeschöpft und konnte nur noch mittels steigender Ad-Kosten erreicht werden. Gleichzeitig war die Wiederbesuchsrate der Webseite eher tief.

Die Lösung:

Deshalb entschied man sich dazu, die Kampagne thematisch zu öffnen: Im Mittelpunkt steht nun nicht mehr das Produkt, sondern das Thema Diabetes im weiteren Sinne. Damit kann zum einen eine breitere Zielgruppe angesprochen und zum anderen vermehrt auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingegangen werden. Zudem wurde auf der Webseite eine deutsch- und französischsprachige Online Diabetes-Community integriert. Diese beinhaltet sechs Themen-Boards, in denen sich Interessierte austauschen und Fragen stellen können. Die Community wird täglich pro Sprache von 2 Personen moderiert, Experten sind involviert und der Kundenservice ist mit einem eigenen Profil in der Community aktiv.

Der Erfolg:

Die Community wurde zur ersten digitalen Anlaufstelle für Diabetes-Betroffene in der Schweiz und es konnten seit Launch der Community vor einem Jahr mehrere Ziele erreicht werden:

  • Die User generieren selber Inhalte. Diese sind für andere Kanäle multiplizierbar und haben eine grosse Relevanz für die Positionierung bei Google. Dies trägt entscheidend zur Suchmaschinenoptimierung (SEO) bei.
  • Die Inhalte interessieren: Das Engagement der User mit der Webseite konnte um das Dreifache gesteigert werden.
  • Die Wiederbesuchsrate konnte gesteigert werden, da interaktive, relevante und ständig aktualisierte Inhalte auffindbar sind.
  • Die Webseite lebt. Die Inhalte werden von den Usern und den Modertoren laufend aktualisiert. Dies wird von Google ebenfalls honoriert (SEO).
  • Die organische Reichweite konnte gesteigert werden, während die bezahlte Reichweite reduziert wurde.

Die linke Tabelle zeigt anhand verschiedener Kennzahlen die Veränderung der Webseiten-Statistik seit der Einführung der Community. Die rechte Tabelle zeigt die Visibilität der Keywords bei Google: Das Keyword «Diabetes Typ 1» ist beispielsweise seit dem Launch der Community um 8 Positionen gestiegen.

Internationale Auszeichnungen

Roche Diabetes Care hat zusammen mit Farner für dieses Projekt zwei internationale Awards gewonnen:

  • SABRE Awards 2015: Gewinner in der Kategorie «Medical Technologies»
  • SABRE Awards 2017: Gewinner in der Kategorie «SEO»

Die zweite Auszeichnung ist vor allem der Einführung der Online-Community zu verdanken, mit deren Hilfe das SEO-Ranking organisch verbessert werden konnte.

Allerdings ist eine Online-Community bei weitem nicht nur eine Möglichkeit, um sich bei Dr. Google besser zu positionieren. Es gibt viele langfristige und SEO-unabhängige Vorteile: So kann die Bindung zu den Kunden gestärkt werden; Community-Insights zeigen, was sich Kunden wirklich wünschen; der Kundendienst kann entlastet werden und der Anbieter kann sich als Experte und als erste Anlaufstelle positionieren. Zurzeit lassen sich Online-Communities sowohl im Gesundheitsbereich als auch in anderen Sektoren nicht mehr wegdenken.

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