Was sind die Schwierigkeiten & Chancen der Schweizer Startup Szene heute? Und wie wichtig ist eine gute PR & Kommunikation für Jungunternehmen? Mit dem Ziel einer breiteren Öffentlichkeit die Bedeutung von Public Relations für Startup-Unternehmen aufzuzeigen, veranstaltete Farner Consulting im Oktober 2017 einen Anlass zum Thema.

Mit dabei waren vier Experten auf dem Gebiet:

• Dr. Peter Grünenfelder (Direktor Avenir Suisse)
• Stefan Mühlemann (Founder & CEO von Loanboox)
• Raphael Markstaller (Founder & CEO von Boxs AG)
• Spiros Margaris (Influencer der Fintech Branche)

Peter Grünenfelder, Stefan Mühlemann, Ursula Fraefel (Moderation), Spiros Margaris und Raphael Markstaller (v.l.n.r.)

Anfang Oktober 2017 hat Farner Consulting ein neues Angebot im Bereich Startup Communications lanciert. Ein Team um Partner Dr. Daniel Heller und Topic Leader Innovation & Startup Communications Claudio Staub bietet ab sofort Unterstützung bei Marketing, Investor Relations, PR und weiteren Kommunikationsdienstleistungen an. Farner hat dafür eigens ein attraktives Vergütungsmodell für die zumeist finanziell noch nicht auf Rosen gebetteten Startups entwickelt.

Zum Einstieg begrüsste CEO Roman Geiser die Referenten und Gäste mit einer kurzen, themeneinleitenden Rede über den Werdegang der Startup Szene in der Schweiz.

Von der Startup-Wüste zum Innovations-Land

Noch in den 90er Jahren war die Schweiz eine «Startup-Wüste». Der akademische Berufsweg klar vorgegeben: Matura, danach Studium führten zur Karriere in einer der grossen Schweizer Firmen. Am Anfang des Jahrhunderts zählte man gerade mal zwölf ETH Spinn-offs, das waren sogar weniger als die Anzahl Nobelpreisträger (19), welche die ETH bis heute hervorgebracht hatte. Dann aber dynamisierte sich die Szene stark.  Seit 2005 ist das Risikokapital im Startup-Bereich jedes Jahr um das 5-fache angestiegen. Heute hat die Schweiz eine spannende Startup Branche: Nicht nur gibt es zahlreiche Jungunternehmen mit innovativen Ideen, mittlerweile kaufen die grossen Schweizer Unternehmen auch regelmässig Jungunternehmen auf. Heute stellt sich die Frage, wie man die Attraktivität der Schweiz für die Startup-Szene aufrechterhalten kann und was es noch zu verbessern gilt.

Unter der Moderation von Ursula Fraefel, Senior Consultant bei Farner, leitete Peter Grünenfelder, Direktor bei der «Avenir Suisse» und ehemaliger Staatsschreiber des Kantons Aargau, mit einem Referat den Hauptteil der Veranstaltung ein.

Herausforderungen und Möglichkeiten der Schweizer Startup Szene

Jungunternehmen sind für ein Land von grosser Bedeutung. Sie schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sondern leisten einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität und Zukunft eines Landes. Die Schweiz ist in Sachen Innovation weltweit führend, nirgendwo werden so viele Patente pro Kopf eingereicht wie in der Schweiz. Peter Grünenfelder sagt aber, dass «unsere Jungunternehmen in der Schweiz im internationalen Bereich bezüglich Patente eher schlecht abschneiden.» Denn die Schweizer Patente werden zu einem grossen Teil von den riesigen, multinationalen Firmen eingereicht. Diesbezüglich gebe es in der Schweizer Startup-Szene noch viel Verbesserungspotenzial.

Ein weiteres Problemfeld sei die Bereitstellung von Finanzierung für grössere Investitionen. Obwohl sogenannte Early-Stage-Startups mit guten Ideen eher leicht an Geld kommen, fehlt es an den weitergehenden Investitionen im mehrfachen Millionenbereich. Dieses Risikokapital wird dann sehr oft von ausländischen Geldgebern übernommen und die Startups folgen diesen Investoren ins Ausland. Damit Startups langfristig in der Schweiz gehalten werden können, braucht es deshalb unbedingt grosse inländische Kapitalgeber, erklärt der Direktor von Avenir Suisse. Eine Lösungsmöglichkeit: Um mehr Investitionen in die Jungunternehmen zu ermöglichen, sollen beispielsweise auch die Pensionskassen mitmachen und Risikokapital zur Verfügung stellen. Dieses Modell hat in den USA massgebend zum Erfolg des «Silicon Valleys» beigetragen.

Eine weitere Hürde für die Schweizer Startups sind die vielen staatlichen Regulierungen. Beispielsweise behindern zunehmend starrere Arbeitsmarktregulierungen die Gründerszene – Arbeitszeiterfassungspflicht und die Forderung nach E-Mail-Verbot ausserhalb der Arbeitszeit durch Gewerkschaften wurden als Beispiele erwähnt.

Diese Faktoren erschweren den Durchbruch Schweizer Jungunternehmen sehr. «An Ideen mangelt es aber nicht!» schliesst sich Wirtschaftsexperte Peter Grünenfelder den vorherigen Worten von Roman Geiser an und weist lobend auf die am Donnerstagabend ebenfalls anwesenden Vertreter der Unternehmen Loanboox und Boxs, sowie auf weitere vielversprechende Schweizer Startups hin.

Nach dem Interessanten Beitrag von Peter Grünenfelder stellten die CEOs der Startups «Loanboox» und «Boxs AG» ihr jeweiliges Unternehmen vor.

Loanboox

Gastredner Stefan Mühlemann hat schon 25 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche und gründete und führte schon mehrere erfolgreiche Firmen. Sein neustes Projekt: Loanboox. Loanboox ist eine Schweizer Geld- und Kapitalmarktplattform, auf der öffentlich- rechtliche Kreditnehmer mit institutionellen Kapitalgebern zusammenkommen. Da es bisher für grosse Kredite noch keine solch einfache und transparente Lösung gab, hat er damit eine vielversprechende Marktlücke entdeckt und konnte über sein Unternehmen schon mehr als vier Milliarden Franken abwickeln. Mittlerweile bewegen sich über 500 aktive Kreditnehmer und 160 Kapitalgeber auf der Plattform. Jetzt gilt es schnell zu expandieren, denn Mühlemann hat grosse Ambitionen und möchte «Bis Ende 2019 den Markt in Europa und danach den Weltmarkt erobern».

Boxs AG

Das zweite Jungunternehmen, welches am Donnerstagabend im Mittelpunkt stand, war Raphael Markstaller’s Startup namens «Boxs». Boxs stellt modulare Unterkünfte für humanitäre Zwecke her.  Dabei werden die besten Eigenschaften eines Zelts und eines Containers kombiniert; und man kann die Unterkunft situationsbedingt individuell gestalten erklärt er bei seiner Präsentation. Die Unterkünfte kann man sehr vielseitig (z.B. als Spitalersatz oder Lebensmittellager) und flexibel einsetzen, besonders geeignet sind sie für Kultur- Arbeits- und Lebensräume. Im März 2017 konnte die Boxs AG ihren ersten Auftrag abwickeln und in Frick eine kantonale Unterkunft für Flüchtlinge erstellen. Erfolgreich waren sie auch bei der SwissUpStart Challenge, wo sie den zweiten Rang belegten.

In der anschliessenden Diskussion erklärt Spiros Margaris, Investor und Fintech-Experte, dass er Startups nach den Kriterien Team, Konzept, Wachstum und letztlich auch Profit bewerte. Auch wichtig, vor allem in der Schweiz, ist ein «Brand», denn dieser schafft Vertrauen zu Kunden und Investoren. Um seine Marke bekannt zu machen, braucht es natürlich eine minimale Präsenz beispielsweise im Netz. Stefan Mühlemann stimmt dem zu und erzählt, dass er mit den Schweizer Medien gute Erfahrungen gemacht habe. Um aber gute Medienpräsenz zu erhalten und auch die richtigen Leute zu erreichen, muss man sich auch früh professionelle Hilfe holen.

Mehr zur Unterstützung von Startups hier: Farner Startup Communications