Insgesamt ist die Schweiz für die Startup-Branche ein guter Standort. Unser Land ist politisch und finanztechnisch stabil und wir haben einen guten Bildungsstandard. An neuen, guten Business-Ideen fehlt es nicht. Dazu tragen Top-Universitäten wie die ETH Zürich oder die HSG mit ihren Spin-offs bei. Nur bei der Finanzierung hinkt die Schweiz im internationalen Vergleich hinterher. Welche Lösungsansätze auf politischer Ebene und bei Investor Relations bieten sich an, um als Startup-Hub wettbewerbsfähig zu sein?

Zwei bestehende Problemfelder für Startups in der Schweiz sind die Vermögenssteuern und der Mangel an Risikokapital.

Mangel an Risikokapital und zu hohe Vermögenssteuer

Der Fiskus mischt sich hierzulande schnell in die Angelegenheiten der noch jungen Firmen ein. Gründer müssen in vielen Kantonen ihr Eigenkapital bereits als Vermögen versteuern, obwohl noch keine Erträge erwirtschaftet werden.

Verglichen mit Ländern wie Grossbritannien oder den Vereinigten Staaten müssen Jungunternehmen in der Schweiz zudem relativ hohe Vermögenssteuern bezahlen. Die attraktiven Bedingungen in diesen Ländern locken junge Startups an und schaden damit der Konkurrenzfähigkeit der Schweiz.

Diese Entwicklung bestätigt sich auch im SMI, wo seit vielen Jahren dieselben Firmen Stellung halten und im Gegensatz zu den USA keine neuen Technologie-Giganten auftauchen.

Gap zwischen «seed financing» und «large-scale investment»

Als «seed financing» wird die Finanzierung von Startups bezeichnet, welche sich noch im Aufbau der Unternehmung befinden (sog. «early stage start-ups»). Bei «large-scale investment» sind weitere Investitionen bei fortgeschrittenen Unternehmen gemeint, man spricht auch von «A, B oder C funding rounds». Hierbei handelt es sich um Beiträge im sechs- und siebenstelligen Bereich.

Die Bereitstellung von Finanzierungen ist für «early stage start-ups» mit vielversprechenden Produkten und Dienstleistungen bei uns meistens vorhanden. Ein grosses Problemfeld stellt allerdings der Mangel an Risikokapital für Startups nach dem Anfangsstadium dar. Die dann nötigen Investitionen im mehrfachen Millionenbereich müssen oft von ausländischen Kapitalgebern übernommen werden. Das hat teilweise ein Abzug der Unternehmen ins Ausland zur Folge. Damit Startups langfristig in der Schweiz gehalten werden können, braucht es deshalb unbedingt stärkere inländische Kapitalgeber.

Dass die Schweiz keine Startup-Kultur wie beispielsweise die USA hat und dass vor allem in der fortgeschrittenen Phase der Jungunternehmen zu wenig Kapital vorhanden ist, ist in folgender Grafik gut ersichtlich. Zehn Länder rangieren vor der Schweiz, mit grossem Abstand Israel und die USA.

Quelle: EPO, IMF

Wie sieht die Entwicklung des Risikokapitals aus?

Insgesamt gab es 2016 ganze 151 Finanzierungsrunden. Dies entspricht einer Zunahme von 26% gegenüber 2015. Beim investierten Kapital war die Zunahme noch stärker: von CHF 676 Mio. auf CHF 908.7 Mio. Seit 2012 hat es sich fast verdreifacht. Im ICT-Sektor gab es das grösste Wachstum. Das investierte Kapital stieg hier um CHF 142 Mio. oder 110% auf CHF 271 Mio.

Ein wichtiger Faktor hat sich hingegen nicht verbessert: Der Median des in den Finanzierungsrunden investierten Kapitals bleibt eher tief bei CHF 2.5 Mio. Daraus kann man schliessen, dass die Finanzierungslücke zwischen «seed financing» und «large-scale investment» bis auf weiteres nicht gefüllt wird.

Banken und Pensionskassen als Lösungsmöglichkeiten

Um mehr Investitionen in die Jungunternehmen zu ermöglichen, sollen die Pensionskassen einen Beitrag leisten und Risikokapital zur Verfügung stellen. Dieses Modell hat in den USA massgebend zum Erfolg des «Silicon Valleys» beigetragen. Dazu braucht es allerdings regulatorische Anpassungen: Der Bundesgesetzgeber ist gefragt.

In der Pflicht sind zudem auch unsere Banken: Statt noch weiter in den teilweise schon überhitzten Immobilienmarkt zu investieren, sollten Pensionskassen, Banken und andere Institutionen Investment Fonds zur Startup-Finanzierung bilden. Das wäre ein nachhaltigerer Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung unseres Landes.

Engagement privater Institutionen

Auch spezialisierte Dienstleister können einen wichtigen Beitrag leisten. So engagieren wir uns mit einem speziell an Startups ausgerichteten Beratungsangebot in der Vermittlung und Beratung bei der Aufnahme von neuem Kapital (Investor Relations). Gerade aufgrund der Knappheit von inländischen Investoren ist es umso wichtiger, bei diesen ein gutes Bild abzugeben. Dazu gehören professionelle Unterlagen wie eine geschärfte Equity Story, überzeugendes Pitch Deck, eingeübter Auftritt und wirksames Storytelling. Dieser Aspekt ist zuletzt beim Finanz-und-Wirtschafts-Forum zur «Industrie 4.0» diskutiert worden.

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