Die alternde Gesellschaft ist nicht nur ein Schlagwort, sondern ein Fakt. Auch in der Schweiz gilt: Wir werden immer älter. Mit steigendem Alter nehmen auch die Leiden zu. Und das wiederum führt dazu, dass auch die Zahl der Personen steigt, die das Gesundheitssystem beanspruchen.

Steigende Tendenz bei chronischen Krankheiten

Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird die Zahl von chronischen (z.B. Diabetes Mellitus) und nicht-übertragbaren (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) Krankheiten weiterhin zunehmen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann es sogar so weit kommen, dass chronische Krankheiten bis 2020 fast drei Viertel aller Leiden ausmachen. Im Jahr 1990 war es noch knapp die Hälfte.

Die Global Burden of Disease Study bestätigt diese Aussage und betont, dass 2015 bei rund sieben von zehn Personen nicht übertragbare Krankheiten wie Schlaganfälle, Diabetes oder Alzheimer zum Tod geführt hatten. In der Schweiz leidet heute rund ein Viertel der Bevölkerung an einer nicht-übertragbaren Krankheit.

Der Patient im Zentrum

Der demografische Wandel, respektive die alternde Gesellschaft, hat gemäss Berechnungen des BAG auch einen grossen Einfluss auf die Gesundheitskosten: 80 Prozent davon gehen auf das Konto der nicht-übertragbaren Krankheiten.

Die Versorgungsstrukturen sind entsprechend anzupassen: Laut Beobachter sollte der Weg «weg von der dominierenden Ausrichtung auf die Akutversorgung, welche die schnelle Heilung der Erkrankten anstrebt, hin zu einer vernetzten Betreuung, die den Patienten und seine individuellen Bedürfnisse ins Zentrum stellt – und nicht nur einfach seine Krankheit» führen.

Als Beispiel in die Praxis übersetzt heisst das: Bei Diabetes-Patienten werden nicht nur die Blutzuckerwerte gemessen, sondern die gesamtheitlichen Lebensumstände miteinbezogen. Dies kann primär dadurch erreicht werden, indem der Arzt gewillt ist, einige seiner Aufgaben abzugeben.

Innerhalb einer Praxis ist die Arzt-Patienten-Beziehung auszuweiten: Die Praxisassistenten sowie weitere Teammitglieder sollen wichtige Rollen übernehmen und sich die notwendige Zeit für die Patienten nehmen. Damit kann ein umfassendes Krankheitsbild gezeichnet werden.

Dieses Bild beinhaltet dann auch alltägliche Probleme und Gewohnheiten des Patienten und gibt damit bessere Rückschlussmöglichkeiten auf dessen aktuelle Situation. Im besten Fall kann damit ein Krankenhausaufenthalt vermieden werden, der die Kosten bekanntlich explodieren lässt.

Gesundheitskompetenz steigern

Nicht nur das Ärztepersonal, auch die Gesellschaft erhält eine neu zugewiesene Rolle im Kampf gegen chronische Krankheiten. Mit der bundesrätlichen NCD-Strategie (Nationalen Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten) wird beabsichtigt, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu verbessern und einen gesunden Lebensstil zu fördern.

Viele chronische Erkrankungen könnten mit einem gesunden Lebensstil – ausreichend Sport, gesunde Ernährung – gänzlich vermieden oder deren Folgen zumindest vermindert werden. Das BAG sieht Optimierungspotenzial für die Gesundheitsförderung im Alltag und in der Arbeitswelt.

Kommunikative Herausforderungen

Je älter der Mensch wird, desto länger kann er unter seiner Krankheitslast leiden und desto wahrscheinlicher ist es, dass er von einer Krankheit betroffen ist. Damit Gesundheit bis ins hohe Alter keine Utopie bleibt, ist die Zusammenarbeit aller Akteure im Gesundheitswesen gefragt – denn Gesundheitsprävention betrifft uns alle.

Das stellt auch die Kommunikation vor neue Herausforderungen: Einerseits braucht es einen regulatorischen Wandel. Für diese Entwicklung gilt es, Aufklärungsarbeit zu leisten und – Politiker und die Bevölkerung gleichermassen – für die Wichtigkeit der Gesundheitsprävention und der ganzheitlichen Patientenuntersuchung zu sensibilisieren.

Zum anderen müssen Präventionskampagnen effizienter werden. Eine Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) aus dem Jahr 2016 zeigt: der Erfolg von Präventionskampagnen (insbesondere zum Alkohol- und Tabakkonsum) bei Menschen, die über wenig finanzielle Mittel verfügen und schlechter informiert sind, ist gering. Das schliesst sowohl jüngere als auch ältere Menschen mit ein.

Hier muss sichergestellt werden, dass sämtliche Altersgruppen und Schichten der Gesellschaft einfachen – und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen – Zugang zu Informationen erhalten. Schliesslich wollen wir alle älter werden – und dabei gesund bleiben.

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