Dieser Beitrag stammt von Dalia Herzog, die in unserer Public-Affairs-Unit ein Praktikum absolviert. 

Mit nur 8% in den Geschäftsleitungen von Schweizer Unternehmen sind Frauen in Führungsetagen deutlich untervertreten. Diese Tatsache liess sich auch am Farner «Grips & Chips» vom 29. August 2018 nicht wegdiskutieren. Der Anlass widmete sich ganz der Frage, ob Frauen in Führungspositionen anders kommunizieren als Männer.

Auf dem Podium sassen hochkarätige Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik: FDP-Nationalrätin Doris Fiala, Politikberaterin Brigitte Hauser-Süess, Farner-CEO Roman Geiser und Nora Teuwsen, Group General Counsel SBB.

  • Kommunizieren Frauen in Führungspositionen anders als Männer?
  • Leben Frauen und Männer in verschiedenen Sprachwelten?
  • Meinen Frauen und Männer dasselbe, formulieren aber unterschiedlich?
  • Oder gibt es gar keine Unterschiede und alles ist bloss Schwarz-weiss-Malerei?

Grips und Chips Event mit Doris Fiala, Nora Teuwsen, Brigitte Hauser-Süess, Roman Geiser und Karin Kofler zum Thema “Kommunizieren Frauen in Führungspositionen anders als Männer?”

Gepostet von Farner Consulting am Mittwoch, 29. August 2018

Frauen trauen sich weniger zu

In der Schweiz erhielten die Frauen im Jahre 1971 vergleichsweise erst spät das Wahl- und Stimmrecht. Die Kommunikation von Frauen war somit lange Zeit gar nicht erwünscht. Auch heute rund 47 Jahre später werden Frauen, die öffentlich kommunizieren, mit Argus-Augen beobachtet.

«Frauen müssen viel mehr Risiko auf sich nehmen – machen Frauen einen Fehler, so werden diese deutlich strenger beurteilt», sagt Brigitte Hauser-Süess, ehemalige persönliche Beraterin von Bundesrätin Doris Leuthard. Sie spricht aus eigener Erfahrung. Dafür, dass Druck auf Frauen in Führungsposition deutlich grösser ist als auf Männer, sieht sie folgenden Grund: «Frauen stehen heute nach wie vor stärker unter Beobachtung, weil es früher weniger waren und heute immer noch weniger sind.»

Everybody’s Darling

Frauen dürfen nicht in die Freundlichkeitsfalle tappen, sonst werden sie von «Männer-Entscheidungen» ausgeschlossen, betont Roman Geiser, CEO von Farner Consulting. Frauen tendieren dazu, Streit aus dem Weg zu gehen. Auch ein guter Streit will gelernt sein. Kein einfaches Unterfangen, so sind Frauen im Allgemeinen empathischer. Jedoch sei die Position des «Everybody’s Darling» mit einer Führungsposition nicht vereinbar.

Nora Teuwsen, Group General Counsel SBB, stimmt zu: «Frauen müssen lernen, Konflikte auszutragen». Als Führungspersönlichkeit darf man und frau keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gehen. Doris Fiala streitet deshalb gut und gerne: «Ein gutes Streitgespräch ist ein Lustgewinn».

Moderatorin Karin Kofler, FDP-Nationalrätin Doris Fiala und Nora Teuwsen, Group General Counsel SBB (von links)

Frauen führen und kommunizieren anders

Es scheint, als ob Frauen und Männer tatsächlich unterschiedlich kommunizieren. Frauen in einer Führungsposition beginnen automatisch ihre Sprache anzupassen. «Könntest du das bitte für mich erledigen?» Diese Formulierung werde wohl von einer Frau stammen, witzelt Brigitte Hauser-Süess. Die ehemalige persönliche Mitarbeiterin von zwei Bundesrätinnen gesteht, dass sie zu Beginn ihrer Karriere häufig Konjunktiv-Formulierungen verwendete. Frauen würden diese problemlos verstehen. Bei Männern verlaufe eine Aufforderung im Konjunktiv jedoch meistens im Sande. Männer verstehen die Befehlsform mit einer klaren Deadline deutlich besser.

Frauen würden auch anders diskutieren, fügt Doris Fiala an: «Ich kann bestätigen – in reinen Frauengremien werden eher Lösungen gefunden.» In Gremien mit Männern ging es stattdessen häufig auch um Machtdemonstrationen. Nora Teuwsen präzisiert: «Frauen dürfen sich selbst mehr zutrauen, damit sich Mann und Frau mehr zutrauen.»

Frauen verhandeln schlechter

Müssen Frauen also die Sprache der Männer annehmen, um erfolgreicher zu sein? Wie Moderatorin Karin Kofler, Journalistin bei der «Sonntagszeitung», ausführt, werden bereits heute speziell auf Frauen zugeschnittene «Arroganz-Seminare» angeboten, in welchen Frauen die Tricks und Kniffe des männlichen Sprachgebrauchs näher gebracht werden. Roman Geiser bestätigt: «Je weiter eine Frau die Karriereleiter hinaufklettert, desto eher übernimmt sie die männliche Sprache.»

Nora Teuwsen ist anderer Meinung. Führungskräfte, egal ob Mann oder Frau, brauchen die gleichen Eigenschaften. Häufig würden sich die Frauen auch selbst im Weg stehen. Der grösste Stolperstein einer Frau sei ihre eigene Unsicherheit. «Frauen verkaufen sich weniger gut. Sie wissen beispielsweise nicht, dass die alleinige «Dossier Stärke» nicht ausschlaggebend ist in einer Verhandlung», so Teuwsen.

Brigitte Hauser-Süess bestätigt: «Ich habe noch nie erlebt, dass Frauen klare Lohn-Vorstellungen geäussert hätten. Hingegen wüssten Männer genau, was sie wollen

Doris Fiala, auch Präsidentin der FDP Frauen Schweiz, hat bei der Planung und Organisation der Nationalrats-Liste eine ähnliche Erfahrung gemacht. Noch so gerne hätte Fiala einen ausgewogenen Männer- und Frauen-Anteil auf der Liste, dies sei aber ein Ding der Unmöglichkeit. Eine mögliche Nationalratskandidatur würde von Frauen viel stärker durchdacht als von Männern. Die direkte Demokratie könne und dürfe auf die Frauen jedoch nicht verzichten.

Gespannt verfolgen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Podiumsdiskussion.

Frauen sind auch Mütter

«Die Schweiz hat ein Potenzial von 55’000 gut ausgebildeten Frauen, welche aufgrund ihrer Betreuungspflichten nicht wieder in die Arbeitswelt zurückkehren», sagt Doris Fiala. Es brauche darum deutlich mehr Ganztagesschulen und nicht nur mehr Krippenplätze. Zwischen dieser Wunschvorstellung und der Realität klafft aber eine breite Lücke. Fiala verweist auf den Nationalrat. Die meisten Frauen, welche zurzeit im Nationalrat aktiv sind, hätten entweder keine Kinder oder Kinder, die nicht mehr im schulpflichtigen Alter sind.

Grund dafür, dass Frauen in der Politik sowie in den Chefetagen noch immer untervertreten sind, liege jedoch auch an der bewussten Entscheidung jeder einzelnen. Frauen entscheiden sich häufig, zugunsten Familie und Kinder eine Auszeit zu nehmen. Roman Geiser pflichtet dem bei: «Frauen entscheiden sich in der wichtigsten Phase ihrer beruflichen Laufbahn häufig, nicht 100% arbeiten zu wollen.» Er ergänzt: «Für diese Herausforderungen müssen wir aus Unternehmenssicht Rahmenbedingungen schaffen und Lösungen anbieten.»

Gastgeberin Nicole Meier Doka, Senior Consultant bei Farner, heisst alle Teilnehmenden herzlich willkommen.

Frauen brauchen Frauen-Vorbilder

Fiala in ihrem Amt als FDP-Frauen-Präsidentin gibt sich selbstkritisch: «Ich hätte bei den letzten Bundesratswahlen nur eine Frau fordern und keine Kompromisse zugunsten der Sprachregionen machen sollen.» Dies sei dringend notwendig, denn Frauen bräuchten weibliche Vorbilder. Deswegen kämpft Fiala weiter für mehr Frauen in der Politik.

Es ist an der Zeit, dass Unternehmen mehr Teilzeitstellen anbieten, sowohl für Frauen als auch für Männer. Nur wenn junge Frauen und Männer erkennen, dass eine Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Politik möglich ist, werden sich die Verwaltungsratspositionen und Geschäftsleitungen langsam aber sicher auch mit Frauen füllen.

Ein erfolgreicher Abend geht zu Ende. Herzlichen Dank an unsere Gäste: Brigitte Hauser-Süess, Karin Kofler, Roman Geiser, Nora Teuwsen, Doris Fiala (von links).

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