«Waste warrior», «self optimization» und «environment as a service» – PR-Geschwurbel oder smarte Businessideen mit gesellschaftlichem Impact?

Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigten sich Studentinnen und Studenten der Universität St. Gallen (HSG) sowie drei Schweizer Startups am 23. April 2019 im Maker Space in St. Gallen. Gemeinsam mit dem NEO Network organisierte der Farner Startup Desk den Anlass «Entrepreneurship & Sustainability».

Das Fazit des Events: Das Interesse an Nachhaltigkeitsthemen ist gross. Während Umsatzzahlen oder Expansionsstrategien die Studierenden grösstenteils kalt liessen, beschäftigte vor allem der ökologische Fussabdruck der Jungunternehmen.

Danielle von Rechenberg, Roy Müller und Raphael Dobmann waren mit von der Partie und haben nicht nur erfahren, was hinter den Buzz-Wörtern steckt, sondern auch, wie drei Startups die Welt verändern wollen.

Am vergangenen 23. April 2019 lud das Studentennetzwerk «NEO», mit Unterstützung vom Farner Startup Desk, zum Anlass «Entrepreneurship & Sustainability» am Maker Space der HSG ein. Joel Bloch (Oxygen at Work), Delila Kurtovic (Too Good To Go) und Stefan Kanalga (Yes We Trust) präsentierten die Businessmodelle ihrer Startups und welchen gesellschaftlichen Beitrag diese leisten. Getauscht wurden nicht nur heisse Fragen zu Nachhaltigkeitsthemen, sondern auch Businesscards für mögliche Praktikumsstellen.

Joel von Oxygen at Work erklärt, wie Pflanzen die Luftqualität verbessern.

#fridaysforfuture – der Klimawandel bewegt

Gerta Thunberg und tausende Studierende beweisen: Klimaschutz ist mehr als nur ein Trend. Unterstützt wird der Klimakampf auch von den drei Startups. Alle Keynote Speaker bestätigten den Anstieg des Nachhaltigkeitsbewusstseins:

  • So rettete «Too Good To Go» bereits über 234’000 Mahlzeiten in der Schweiz,
  • die «Yes We Trust-App» verzeichnet über 1200 Downloads und
  • «Oxygen at Work» hat eben die neuen SRF-Büros im Basler Gundeli begrünt.

Drei Startups, eine Gemeinsamkeit: Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein stehen im Zentrum ihrer Businessidee.

«Oxygen at Work» sorgt für mehr «Grün» im Büroalltag

Das HSG-Spin-off hilft Unternehmen, die Luftqualität in Büroräumlichkeiten zu verbessern. Das Startup setzt dabei auf die Natur in Verbindung mit künstlicher Intelligenz.

Mit Hilfe eines selbstlernenden Algorithmus erstellen die Begrünungsexperten das optimale Pflanzenkonzept. Das Resultat sind angenehmere Arbeitsbedingungen, weniger Arbeitsausfälle und mehr Mitarbeiterzufriedenheit.

Oxygen at Work liefert nicht nur die Pflanzen, sondern bietet einen All-in-One Service. Gemeinsam mit lokalen Gärtnereien übernimmt das Startup auch die regelmässige Pflege sowie die Bewässerung.

«Too Good To Go» sagt dem Food Waste den Kampf an

Laut Studien wird ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen. In der Schweiz sind das pro Jahr zwei Millionen Tonnen unangetastetes Essen.

Diesem Problem will «Too Good Too Go» mit einer App entgegenwirken: Hungrige bestellen vor Ladenschluss einfach und günstig Mahlzeiten bei Bäckereien, Restaurants und Lebensmittelgeschäften. Läden können unverkaufte Produkte zu einem reduzierten Preis an hungrige Konsumentinnen und Konsumenten verkaufen. Essen besser verteilen, statt wegschmeissen, lautet die Devise des Startups!

«Yes We Trust» – Ein Lebenscoach basierend auf der Blockchain-Technologie

Vor sechs Jahren gründete Stefan Kanalga «Yes We Trust» mit dem Ziel, eine globale nachhaltige Community zu gründen. Er bezeichnet sein Startup auch als «Tinder 2.0 mit Tiefgang».

Via App vernetzen sich die Nutzerinnen und Nutzer, teilen Motivationssprüche, Meditationsübungen und Wissen. Für einen bewussten und gesunden Lebensstil gibt es Trustcoins, die im Shop für nachhaltige Produkte oder Retreats eingetauscht werden können. Die persönliche Entwicklung wird durch den virtuellen Lebensbaum veranschaulicht, der bei nachhaltigem Verhalten wächst.

Greenwashing für kommerzielle Unternehmen?

Am Schluss nahmen alle drei Startup-Vertreter Platz auf der heissen Bank: Die Jungunternehmer meisterten die Fragerunde mit Bravour.

Die Behauptung, dass grosse Unternehmen Nachhaltigkeitsstartups nur zu PR-Zwecken nützen, weisen alle drei Redner zurück. Das Bewusstsein für das Thema sei generell gestiegen. Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung gehören in die DNA von Unternehmen und stellen im Kampf um Talente ein wichtiges Entscheidungskriterium dar.

Joel, Stefan und Delila (von links nach rechts) stellen sich den Fragen der Studentenschaft.

Der Abend endete in gemütlicher Runde beim Apéro. Was die Studenten, Key Note Speakers und Organisatoren vom Anlass mitnehmen konnten, waren nicht nur spannende Gespräche, sondern auch die Überbleibsel des Apérogebäcks –  ganz nach dem Motto #fightfoodwaste.

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