In der Schweiz wurden letztes Jahr erstmals über eine Milliarde Franken in Form von Risikokapital den Startups zur Verfügung gestellt. Die Schweizer Startup Szene hat denn auch in den letzten Jahren an Dynamik klar zugelegt. Ihre Bedeutung liegt weniger darin, die nächsten Unicorn’s zu generieren als die Schaffung einer Vielfalt von innovativen Businessideen, welche bestehenden Branchen helfen, zukunftsfähig und kompetitiv zu bleiben. Davon betroffen sind sämtliche Branchen.

Allerdings fehlen der Schweiz komparativ immer noch einige vom Staat beeinflussbare Rahmenbedingungen, die uns hier noch besser zu den führenden Startup Nationen wie Israel und USA aufschliessen liessen.

Vergleich Schweiz Israel

Bei einer von der Neuen Aargauer Bank NAB im Mai 2019 ausgezeichneten komparativen Untersuchung der beiden Startup Systeme Schweiz und Israel (Maturarbeit Nicolas Studer, Yves Heller) hat sich gezeigt, dass die Schweiz besonders in den Bereichen Bildung, Forschung und Entwicklung ein gutes Umfeld für Startups bieten kann. Bei den kulturellen Einflussfaktoren stechen die besonderen Eigenschaften der Israelis hervor. Das israelische Volk zeichnet sich durch eine hohe Risikobereitschaft und gezieltes unternehmerisches Handeln und Denken aus. Dagegen wird in der Schweiz die Selbstständigkeit oft mehr als Risiko anstatt als Erfolgschance gesehen. Die Arbeit stellt fest: «Dies bildet sogleich ein weiteres Hauptproblem der Schweiz: Ein ungenügender «deal flow». Obwohl die Schweiz als Patentanmelder weltweit ungeschlagen ist, wird vergleichsweise zu wenig Innovatives realisiert. Ein grosses Problem des Schweizer Risikokapitalmarktes ist neben der häufig als mangelhaft beschriebenen Kapitalbeschaffung eine Umsetzung in interessante und erfolgsversprechende Geschäftsideen.»

Den Autoren fällt auf, dass die Schweiz im Vergleich zu Israel deutlich weniger spezifische Förderungsmassnahmen betreibt: «Solche wären besonders in den Bereichen Besteuerung und Regulierung möglich.» Dem Staat komme dabei «die wichtige Rolle zu, die jungen Unternehmen nicht über Ausnahmeregelungen, sondern durch ständige Verbesserung der Rahmenbedingungen bestmöglich zu unterstützen.» Eine solche Unterstützung von Startups sei von grosser Bedeutung, da durch den Erfolg der Unternehmen die nationale Wirtschaft im Bereich Innovation sowie Forschung entscheidend weiterentwickelt werde und die investierten Summen an Kapital zum Teil in Form von Steuergeldern wieder an den Staat zurückfliessen würden.

Steuern, Risikokapital und Talents als Hauptprobleme

Die von Politik und Staat beeinflussbaren Rahmenbedingungen umfassen insbesondere folge drei Bereiche:

  • Bereitstellung von ausreichend qualifiziertem Personal aus Ländern von ausserhalb der Personenfreizügigkeit: Die Schweiz braucht höhere Quoten von Hochqualifizierten, die ausserhalb des EU Raumes kommen. Die Untersuchung hält dazu fest: In dieser Hinsicht könnte die Schweiz nach dem Beispiel Israels über eine aktivere Einwanderungspolitik in Bezug auf hochqualifizierte, international erfahrene Techniker sowie Unternehmer anlocken. Fördermassnahmen, die auch in der Schweiz Erfolge bringen würden, sind vereinfachte Personaleinstellungen ausländischer Personen, diverse Integrationsprogramme und Ausstellungen von Express-Visa.
  • Unternehmerfreundlicheres Steuerklima: Sodann braucht es eine Verbesserung des Steuerklimas. Die heutige Praxis der Besteuerung von Business Angels und von Risiko Kapitalgebern, aber von Angestellten, die in Optionsprogrammen stecken, ist nicht hilfreich. Abhilfe schaffen könnte eine Flat Tax für Investoren, das würde mehr Geldgeber ermuntern zu investieren. Die Besteuerung von Kapitalgewinnen als Einkommen ist nicht adäquat. Wenn die Startup Szene erfolgreich sein und bleiben will und daraus dauerhafte Schweizer Arbeitsplätze werden sollen, braucht es hier Anpassungen.
  • Verbesserung des Investorenklimas: Sodann sind die Pensionskassen zu zögerlich mit Bereitstellung von Risikokapital. Sie verwalten heute kumuliert 750 Mia. CHF. Das meiste davon wird in Immobilien und Bonds investiert. Da fehlt die Zukunftsorientierung. Schon das Umlenken von 1% bis 2% in diversifizierte Startup-Finanzierungen würde einen grossen Impact erzielen. Das ergäbe eine Vervielfachung der heutigen verfügbaren Kapitalien. Israel, aber auch die USA gehen da wesentlich weiter.
  • Technologieneutrale Regulierung: Nachdem die Mühlen der Schweizer Konkordanzdemokratie mit Vernehmlassungsverfahren und Referendum zu langsamen Gesetzgebungsverfahren führt, sollte der Gesetzgeber darauf achten, neue Gesetze soweit möglich technologieneutral zu formulieren. Sie verzögern sonst Innovationen.

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