Am 21. August 2019 war es wieder soweit – der Farner Startup Desk lud zum vierten Event seit seiner Gründung ein. Das Thema diesmal: Startups und das liebe Geld, der Dauerbrenner schlechthin bei allen Startups.

  • Wie schafft man es als Startup, die richtigen Investment-Kontakte zu knüpfen und an das zum Aufbau eines erfolgreichen Business notwendige Geld zu kommen?
  • Gilt «Trial and Error» oder gibt es geeignete Strategien zum Erfolg?
  • Wohin geht man, wenn das Sparschwein von Familie und Bekanntenkreis nicht mehr reicht?
  • Und was sind die häufigsten Fehler von Startups auf der Suche nach Kapital?

Das Podium lockte zahlreiche Gäste an die Löwenstrasse 2. Das Farner-Panel setzte sich aus erfahrenen Startup-Gründern und etablierten Investoren zusammen: Zu den Investoren Rudolf Bohli (CEO RBR Capital Advisors AG) und Dino Boog (Gründer Birkenhof Partners) gesellten sich die Founder Alexandros Tyropolis (CEO realbotengineering GmbH), Manuel Winter (CEO Oxygen at Work) und Lara Zaugg (Gründungspartnerin Grainglow GmbH).  

Den Anlass moderierten Farner-Partner Dr. Daniel Heller (Head Startup Desk) und Marcus Balogh (Senior Consultant Financial Communications, Investor Relations & Blockchain).

«Die Schweiz ist keine Factory von Unicorns»

Einleitend erläuterte Daniel Heller die Finanzierungssituation innerhalb der Schweizer Startup-Szene. Zwar sind die Finanzierungsrunden (es waren 230 im letzten Jahr) und investierte Beträge (mittlerweile deutlich über eine 1 Mrd. CHF) stetig am wachsen, doch auf internationaler Ebene, im Vergleich zu den USA oder dem dynamischen Startup-Ökosystem Israel, hinkt die Schweiz immer noch hinten nach. Entsprechend gehen leider beide Seiten «fürs grosse Geld» vielfach nach wie vor lieber ins Ausland, insbesondere für spätere Finanzierungsphasen.

Investoren sagen zuerst einmal «Nein»

«Was nervt Investoren bei Startups am meisten?»

Mit dieser Frage an Unternehmer und Investor Rudolf Bohli ging Moderator und Finance-Experte Marcus Balogh gleich in medias res. Bohli, früher selber im Banking tätig und fasziniert von der Idee, den Finanzplatz Schweiz zu transformieren, landete bereits während der Dotcom Bubble selber in einem Startup.

In seiner heutigen Tätigkeit als Investor ist er begeistert von Moonshot-Projekten, die einen high return versprechen. Selbstredend gelten für diese high-risk-Kriterien. Er erklärte, wieso Investoren grundsätzlich zuerst einmal Nein sagen (wollen): «Investoren handeln immer aus Risikominimierung». Er riet den Startups, konsequent die Bedürfnisse des Investors in Erfahrung zu bringen und diese insbesondere beim ersten Kontakt und der Pitch-Präsentation bereits ins Zentrum zu stellen.

Dass die Suche nach Investoren alles andere als einfach ist, legte Manuel Winter dar. Sein Startup Oxygen at Work wurde zwar früh von privater Hand unterstützt und konnte auch bald Umsatz generieren. Trotzdem stand irgendwann die Suche nach einem Investor auf dem Plan.

Es folgten unzählige Cold E-Mails, Networking Events und viel Frust aufgrund der sehr langen Wartezeiten, insbesondere bei institutionellen Anlegern. Entsprechend lautete sein Fazit: «Nächstes Mal würde ich mehr Zeit einplanen und direkt aussortieren, mit welchen Geldgebern wir zusammenarbeiten wollen oder nicht.» Er empfiehlt den Startups, eine eigene Due Diligence der Investoren vorzunehmen.

Auf welcher Grundlage treffen Investoren überhaupt ihre Entscheide? Tauscht man sich aus? «Ja, Investoren sind eng vernetzt und stehen in regem Austausch. Dies gilt sowohl für Family Offices als auch für institutionelle Anleger», erklärte Dino Boog.

Es gebe eine Tendenz zu «Schwarminvestionen» in der Schweiz. Diese weisen zwar in der Regel einen tieferen Return on Investment aus, bieten aber gleichzeitig eine höhere Sicherheit. Das Setting ermöglicht, grössere Visionen umzusetzen und das Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen.

Die Experten von Farner und die Panelteilnehmer v.l.n.r.: Dr. Daniel Heller (Partner & Head Startup Desk), Rudolf Bohli (CEO RBR Capital Advisors AG), Manuel Winter (CEO Oxygen at Work), ), Alexandros Tyropolis (CEO realbotengineering GmbH), Lara Zaugg (Gründungspartnerin Grainglow GmbH), und Marcus Balogh (Senior Consultant Financial Communications, Investor Relations & Blockchain) und Dino Boog (Gründer Birkenhof Partners).

The Magic Moment

Das Matchmaking zwischen Startups und Investoren ist von gegenseitigen Erwartungen und Wünschen geprägt. Was ist dabei das wichtigste? Wie merkt man, dass man der richtige Partner zum richtigen Zeitpunkt ist? Hat es mit der «ability to deliver» auf Seiten der Startups zu tun, wie Moderator Marcus Balog einwarf?

Beide Investoren nickten hier zustimmend, betonten aber auch die Relevanz eines guten Netzwerks und «Persistance». Ein Startup dürfe nicht aufgeben, auch bei der fünften Absage nicht.

Bei einer Partnerschaft zwischen Startups und Investoren geht es aber nicht nur um Geld – ein Investor investiert oft auch seine Zeit und sein Know-how, wie Manuel Winter von Oxygen at Work einwirft.

Dass es um mehr als eine finanzielle Beteiligung bei der eventuellen Zusammenarbeit mit einem Investor geht, wünscht sich auch Lara Zaugg von Grainglow. Lara will wissen, wie sich ein Kapitalgeber einsetzt, was er für Knowhow mitbringt und so das Projekt mit weiterentwickelt. Bei Oxygen at Work sitzen Manuel und sein Team jeden Monat einen halben Tag mit den Geldgebern zusammen und besprechen die strategische Weiterführung von Oxygen at Work. Dies deckt sich auf mit der Erfahrung von Alexandros Tyropolis bei realbotengineering.

Und wenn es mit der Investorensuche nun doch nicht funktioniert? Da sind die Gründer sehr pragmatisch – Alexandros von realbotengineering hat bereits einen Plan B, und Lara findet, sich mit Grainglow weiterhin organisch weiterzuentwickeln, einen ebenso gangbaren Weg. Denn neben dem Wunsch, das eigene Unternehmen vorwärts zu bringen, gesellt sich auch immer die Angst, unter Druck die falschen Entscheidungen zu treffen.

Und so ist es umso wichtiger, dass auch Startups überprüfen, ob ein bestimmter Investor wirklich der richtige Partner für sie ist. Nicht jeder verträgt es gut, dass es der Investor «immer besser weiss, schon nach fünf Minuten», wie Manuel Winter aus eigener Erfahrung zu berichten weiss. Interessant ist hier der Einwurf von Investor Rudolf Bohli: er hat sich schon mit dem Bauch für ein Investment entschieden und dann erst einmal zugeschaut, und von den Tech-Gründern gelernt.

Intensive Diskussionen beim Apéro

«Flexibel bleiben, Spass haben»

Die intensive Diskussion schloss mit zwei Tipps der Investoren für Startups, die planen, nächstens auf Investoren zuzugehen:

Der Tipp von Dino Boog: «Es ist entscheidend zu wissen, was einem wichtig ist, die eigenen Werte zu spiegeln, und dann erst auf Investoren zuzugehen, z.B. auch mit bereits erschienenen Medienbeiträgen.» Bei institutionellen Anlegern sind viele Prozesse standardisiert, bei privaten Investoren gilt: auf die Person und ihre Bedürfnisse eingehen.

Der Abend schliesst mit einem sehr positiven Fazit und Tipp von Rudolf Bohli: «Flexibel bleiben und Spass haben! Es geht immer wieder irgendwo eine Türe auf!»

Beim anschliessenden Apéro riche wurde eifrig diskutiert, Networking betrieben und das Publikum konnte den Referenten weitere Fragen zum Thema stellen.

Über die Startup-Beratung von Farner

Der Farner Startup Desk berät Gründerinnen und Gründer in allen Fragen der Kommunikation. Dabei bietet Farner alles aus einer Hand: von der textlichen und gestalterischen Aufbereitung von Pitch Decks über die Konzeption und Umsetzung von Websites bis hin zur Medienarbeit oder Investor Relations. Weitere Informationen zu den Services des Farner Startup Desks finden Sie hier.