Den bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP gelang es im Wahlkampf 2019 am besten, den Betrachtern ihrer Facebook-Posts Interaktionen zu entlocken. Ein Muster erkennen, wann ein Post erfolgreich wird, lässt sich am ehesten bei den Freisinnigen: Am meisten digitale Aufmerksamkeit erreichen sie mit mehr oder weniger liebevollen Sticheleien gegen ihre Lieblingsgegnerin SP. Ganz im Sinn von “Organisations don’t tweet, people do!” fallen die Parteien gegenüber ihren Exponenten mit ihren Twitter-Aktivitäten stark ab.

Am 7. Oktober 2019 postete die SVP Schweiz ein Bild: Mit schwarzen Lettern auf weissem Hintergrund wurde aufgerufen: «An die Urne: Zuwanderung in Sozialhilfe stoppen!» Dazu das lächelnde SVP-Sünneli und die Aufforderung «Jetzt SVP wählen». Keine Bildästhetik, kein Wortwitz, ziemlich unspektakulär – dafür zwei politische Forderungen in gerademal vier Worten.

Der Post ging mit Bewerbung viral und erreichte 4553 Likes, 1054 Comments und 1089 Shares. Es ist in absoluten Zahlen gesprochen die erfolgreichste Facebook-Verlautbarung der drei bürgerlichen Parteien im Wahlkampf 2019. Offenbar gelingt es der Polpartei auch im digitalen Raum, ihre Positionen kurz und bündig, ohne Firlefanz auf den Punkt zu bringen – und vor allem verstanden zu werden.

Ganz vorne bei den beliebtesten SVP-Posts mit dabei ist auch das Wurmplakat, das im Wahlkampf 2019 für DEN Aufreger schlechthin sorgte, und natürlich auch für das eine oder andere zornige Emoji.

Unsere neuen Kampagnenplakate sind da: Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören? Lieber #SVPwählen! https://www.svp.ch/downloads/ #freiundsicher #WahlCH19 #Wahlen19

Gepostet von SVP Schweiz am Sonntag, 18. August 2019

RangParteiInteraktionen
1SVP83’025
2CVP60’133
3FDP35’971
4SP34’870
5SVP ZH31’299
6Grüne28’659
7Junge SVP24’548
8SP ZH22’770
9CVP TI19’049
10SP TI18’144
Kumulierte Likes, Reactions, Comments und Shares auf Facebook– Parteien, 20.04. – 20.10.19 | Daten: Fanpage Karma

Während SVP und FDP für die Deutschschweiz und die Romandie separate Facebook-Seiten unterhalten, setzt die CVP auf einen multilingualen Kanal für sämtliche Sprachregionen.

Mit einem frankophonen Erklärvideo über die Ungerechtigkeiten der Heiratsstrafe schafften es die Christdemokraten auf den zweiten Platz der beliebtesten Einzelposts der drei bürgerlichen Parteien: 1805 Likes, 501 Comments, 624 Shares.

Dass das deutschsprachige Pendant deutlich weniger gut performte, liegt möglicherweise daran, dass die beiden Posts mit unterschiedlichen Budgets beworben wurden.

En Suisse, 1,4 million de personnes sont victimes de discrimination dans les impôts et dans l'AVS en raison de leur état…

Gepostet von CVP / PDC / PPD am Montag, 16. September 2019

Aufgrund ihres Zivilstandes werden 1,4 Millionen Menschen bei den Steuern und in der AHV diskriminiert. Die CVP setzt…

Gepostet von CVP / PDC / PPD am Montag, 16. September 2019

Mit liebevollen Sticheleien zum Interaktions-Erfolg

Den dritten Platz erreichte die FDP mit einem Bild: Der Begriff «Sozialismus», dargestellt als Eintrag in einem Wörterbuch, erklärt mit launigem Gefrotzel gegen links. Darunter der etwas holprige Slogan «Gemeinsam weiterkommen statt Linksrutsch». Der Post erreichte 553 Reaktionen, 310 Comments und 65 Shares.

Weitere digitale Aufmerksamkeit in Form von 454 Reaktionen, 84 Kommentaren und 128 Shares erregte die FDP ebenfalls mit Sticheleien gegen ihre Lieblingsgegnerin SP. Diese provozierte mit einem Bild-Post, den die Freisinnigen mit einem fadengraden «In-your-face-Post» konterten. Dieser Zweikampf wurde auch von den Medien aufgegriffen.

Liebe SP Schweiz, netter Versuch. In einem Punkt habt ihr euch aber geirrt. was man seinen Kindern und scheinbar auch euch WIRKLICH sagen sollte: ❤#gemeinsamweiterkommen #CHwill #möglichmachen

Gepostet von FDP am Mittwoch, 25. September 2019

SVP, FDP und CVP haben mit ihren Facebook Posts am meisten Interaktionen erreicht und gemäss verschiedenen Medienberichten auch am meisten Geld in ihren Online-Wahlkampf investiert. Das Abschneiden der Parteien am 20. Oktober zeigt aber: Die grüne Welle konnten sie damit nicht aufhalten.

Disclaimer: Interaktionen auf Facebook und Twitter können mittels bezahlter Werbung erhöht werden. Da von aussen nicht vollumfänglich festgestellt werden kann, ob es sich um eine bezahlte Werbung oder um einen organischen Post bzw. Tweet handelt, wurde an dieser Stelle auf eine Differenzierung verzichtet.