Weltweit gibt es mehr als 325’000 Gesundheits-Apps, Dr. Google weiss Rat bei ersten Symptomen und Arztbesuche finden vermehrt via Smartphone statt. Die Digitalisierung ist längst in der Gesundheitsversorgung angekommen. Wie gehen Patientinnen und Patienten mit den schnellen Entwicklungen der Digitalisierung um und welche Entwicklungen kommen auf uns zu? Am diesjährigen Swiss Patient Forum Ende Oktober in Bern, tauschten sich Patientinnen und Patienten mit Expertinnen und Experten zur Digitalisierung im Gesundheitswesen von heute und morgen aus.

Sind meine Gesundheitsdaten sicher? Datenschutz und Datensicherheit sind zentrale Anliegen, wie die Patienten-Workshops am Vormittag des Forums zeigten. Zurzeit sorgen vor allem das elektronische Patientendossier, Gesundheits-Apps, aber auch die Folgen der Digitalisierung in der Forschung für Gesprächsstoff.

Lifestyle- und Gesundheits-Apps

Aus Sicht von Dr. iur. Barbara Widmer von Datenschutz Kanton Basel-Stadt gehen viele Personen zu leichtfertig mit ihren Gesundheitsdaten um. So empfiehlt die Datenschutz-Expertin bei Lifestyle- und Gesundheits-Apps nur kostenpflichtige Varianten zu wählen, da Patienten bei Gratis-Apps mit den eigenen Daten bezahlen.

Das elektronische Patientendossier (EPD)

Obwohl einzelne Organisationen wie z. B. Spitäler im Bereich der Digitalisierung bereits gut unterwegs sind, ist das Schweizer Gesundheitswesen im internationalen Vergleich noch wenig digitalisiert, meint Annatina Foppa von eHealth Suisse. Die Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen erarbeitete die Grundlagen für das elektronische Patientendossier (EPD) und nimmt zunehmend die Umsetzung wahr. Mit der Einführung des EPD hat die Schweiz gute Aussichten, den Rückstand mehr als aufzuholen, ist Foppa überzeugt.

Das EPD wird vor allem den Patientinnen und Patienten viele Möglichkeiten bieten, wie Annatina Foppa weiter betont: im EPD können sie Daten einsehen, Dokumente abspeichern, oder Zugriffsrechte erteilen. Soweit würde jedoch nur rund die Hälfte aller Patientinnen und Patienten ein digitales Dossier eröffnen.

Mehrwert für die medizinische Forschung

Dr. Julia Maurer vom Department für Klinische Forschung der Universität Basel erhofft sich, dass in einem späteren Schritt auch die Forschung Teil des EPD wird. Viele Patientinnen und Patienten stehen Forschungsprojekten eher positiv gegenüber. Allfällige Teilnahmen an Studien und deren Ergebnisse könnten dadurch ganz einfach im digitalen Dossier vermerkt werden. Weiter bestätigt Dr. Julia Maurer, dass bei Forschungsprojekten im Spital alle individuellen Daten verschlüsselt werden, da die Forschenden am grossen Ganzen interessiert sind.

Bessere Therapien dank Big Data

Grosse Datenmengen sind auch für die Pharmaindustrie eine Chance der Digitalisierung. Für die stetige Verbesserung von Behandlungen und Therapien seien sie auf eine gute Datenlage angewiesen, führt Stephanie Ludwig von Takeda aus. Das Vorurteil, dass Pharmaunternehmen nur Apps entwickeln, um Patientendaten zu sammeln, stimme so nicht.

Viel mehr können Apps die Compliance und das Monitoring und schlussendlich auch die Therapien verbessern. Apps senden den Patienten beispielsweise eine Erinnerung, wann ein Medikament eingenommen werden muss. Die aggregierten Patientendaten liefern Nachweise über den Nutzen von teuren Medikamenten und verbessern Therapieentscheide.

Bessere Transparenz der Qualität

Bei Gesundheits-Apps im Allgemeinen wünschen sich Patientinnen und Patienten eine Zertifizierung und verbesserte Qualitätstransparenz. Hier bietet die Pharmabranche und ihre Qualitätsstandards entscheidende Vorteile gegenüber Tech-Anbietern, da die Entwicklung aber auch Evaluation medizinisch gestützt ist, wie Olivia Walther von Janssen ausführt. Damit digitale Anwendungen einfach zu bedienen und zielgerichtet sind, fordern Patienten aber auch bereits bei deren Entwicklung einbezogen zu werden.

Patienten transparent und frühzeitig einbinden

Im digitalen Zeitalter sind Gesundheitsdaten besonders wertvoll für den medizinischen Fortschritt. Das Swiss Patient Forum zeigte auf, das die Digitalisierung nur funktionieren kann, wenn Patientinnen und Patienten frühzeitig eingebunden und transparent informiert werden. Für Organisationen wird es daher wichtig sein, die Patienten auf die Reise der Digitalisierung mitzunehmen und deren Forderungen, Wünsche und Bedürfnisse zu berücksichtigen. Denn letztlich bringt jede digitale Anwendung nur wenig, wenn diese nicht von den Patientinnen und Patienten genutzt wird.