Die Corona-Krise und der Lockdown machen das Online-Video-Interview zum neuen Regelfall. Das führt zu mehr Vielfalt bei den Akteuren, die in den Medien auftreten. Es birgt aber auch Gefahren für Unternehmen und Institutionen. Kommunikationsverantwortliche sollten den neuen Trend schnell meistern können.

Forscherinnen und Forscher im Labor oder Hilfskräfte in der Pflege – das sind Menschen, die in der Corona-Krise plötzlich aus dem Innern von Unternehmen und Institutionen berichten und von elektronischen Medien meistens via Online-Tools wie Skype und anderen interviewt werden.

Die neue Vielfalt an Akteuren gefällt den Journalisten. Sie kommen in ihrer Story oder ihrer Reportage näher ran an die wahren Akteure – definierte Schlüsselkommunikatoren wie der Mediensprecher können einpacken. Und seien wir ehrlich: Auch uns Medienkonsumenten ermöglicht dieser Trend, die vielfältigen Aspekte einer Fragestellung besser verstehen zu können.

Online-Video-Interviews als neue Normalität

Wie kann, wenn die Schleusen offen sind, eine Organisation die Kommunikation und ihr Aussenbild weiterhin in ihrem Interesse gestalten? Die Frage ist nicht neu; sie stellt sich seit dem vielfältigen Einsatz auf den Feldern von Social Media. Mit dem neuen Online-Video-Trend wird sie nun aber virulenter, weil sie neu auch ein so klassisches Medium wie das Fernsehen betrifft.

Für Institutionen ergeben sich bei professioneller Handhabung daraus Chancen auf Authentizität und Transparenz. Aber es öffnen sich auch Gefahren. Definierte Schlüsselkommunikatoren erhalten in der Regel von den Kommunikationsabteilungen ein detailliertes Briefing mit Kernbotschaften und Q&As. Für den Auftritt in den Medien werden sie geschult. Sie wissen, was ein 25-Sekunden-TV-Statement ist und wissen es nach Trainings auch zu meistern.

Schon nur die technischen Aspekte sind nicht banal

Wie aber sind andere Mitarbeitende eines Unternehmens geschützt davor, in die Medienfalle zu geraten? Die Risiken von Lecks, Widersprüchen und ungewollten Aussagen steigt. Ein Grund dafür ist, dass die Interviewsituation an bekannte Kommunikationssituationen wie interne Video-Meetings anschliesst und gar nicht als spezifischer Moment, in dem spezifische Regeln gelten, wahrgenommen wird.

Der oder die Ungeübte lässt sich also auf ein 10-minütiges Gespräch mit einem Journalisten ein, aus dem die TV-Leute dann rauspicken können, was ihnen gerade so passt in ihrer Geschichte – also meist nicht die Wunsch-Kernbotschaft? Und auch nicht gar so banal ist es, die technischen Aspekte in Griff zu bekommen, also die Frage nach Akustik, angemessenem Bild-Hintergrund, gute Kameraposition oder Outfit?

Wie sich Unternehmen vorbereiten können

Verantwortliche für die Unternehmenskommunikation sollten deshalb folgende Massnahmen treffen:

  • Leitlinien und Prozesse in Erinnerung rufen

Weisen Sie alle Mitarbeitenden auf die Regeln für Medienanfragen und Interviews hin bzw. rufen Sie diese in Erinnerung.

  • Tipps zur Verfügung stellen

Stellen Sie den Mitarbeitenden eine einfache Checkliste zur Verfügung, wie sie sich auf ein Online-Video-Interview vorbereiten sollten, mit Tipps zu Technik, aber auch Verhaltensregeln und Rechten.

  • Begleitung beim Interview sicherstellen

Begleiten Sie Interviews auch, wenn sie online durchgeführt werden. Dies kann auf derselben Plattform erfolgen, auf der das Interview geführt wird, oder beispielsweise durch Mithören mit dem Mobiltelefon. Stellen Sie im Gespräch mit Medienschaffenden anwaltschaftlich die Beachtung von Regeln sicher oder vereinbaren Sie sogar besondere Regeln (Option Rückzug etc.).

  • Üben, üben, üben

Erhöhen Sie die Kompetenz im Umgang mit Medien und Medienanfragen der Mitarbeitenden, die in dieser Situation zu Kommunikatoren/-innen werden. Nutzen Sie die Möglichkeit von kurzen Online-Medientrainings für wichtige Auskunftspersonen.

Möchten Sie mehr erfahren über die goldenen Regeln für Online-Video-Interviews und über Online-Medientrainings? Ich freue mich auf Ihre Nachricht: martin.hofer@farner.ch

Martin Hofer ist erfahrener Auftritts- und Medientrainer. Vor seiner Beratertätigkeit bei Farner war er Chefredaktor des SonntagsBlick und Redaktionsleiter der TV-Sendung 10vor10.