Bauen & Bewegen mit Immobilienexperte Raymond Cron: «Vermehrt neue Bedürfnisse und gesellschaftlichen Nutzen berücksichtigen»

Am vorletzten Wochenende fand mit den NZZ Real Estate Days zum 19. Mal das jährliche Stelldichein der Schweizer Immobilienbranche statt. Welche Themen bewegen die Branche derzeit? Das wollten wir von Raymond Cron wissen, der seit 25 Jahren viele grosse Bau- und Immobilienprojekte verantwortet und begleitet.

Herr Cron, wie würden Sie die Stimmung am diesjährigen Gipfeltreffen der Branche beschreiben, auch im Gegensatz zu den früheren Ausgaben?

Raymond Cron: Ich habe den Eindruck, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen NZZ Real Estate Days in «aufgeräumter Stimmung» an den Genfersee gereist sind. Gleichzeitig spürte man das Bewusstsein, dass der laufende gesellschaftliche Wandel zahlreiche Herausforderungen für die Immobilienbranche mit sich bringen wird. Dazu passte das Veranstaltungsmotto perfekt!

Das Jahres- und Veranstaltungsmotto war «Gesellschaft im Wandel: Neue Perspektiven für die Immobilienwirtschaft»: welche neuen Perspektiven haben Sie als Profi aus der Branche entdeckt?

Raymond Cron: Wirklich neue Perspektiven habe ich nicht entdeckt, aber die Tagung hat gezielt bekannte Perspektiven fokussiert und thematisiert, was ich als sehr wertvoll wahrgenommen habe. In diesem Zusammenhang seien erwähnt: der Einfluss der Demografie, der Urbanisierung und der Migration auf künftige Immobilienprojekte sowie die Rolle von Digitalisierung und KI im Bereich der Immobilienwirtschaft.

Sie erwähnen es: ein grosses Thema ist derzeit die Demografie. Fachleute warnen davor, dass die Alterung der Gesellschaft ein Damoklesschwert für die (gute) Immobilienkonjunktur ist. Teilen Sie diese Auffassung?

Raymond Cron: Nein ich sehe das nicht als Damoklesschwert, aber die Branche muss dieses Thema ernst nehmen und sich damit stärker auseinandersetzen. Bei Immobilienentwicklungen und der Realisierung von Immobilienprojekten braucht es vermehrt einen ganzheitlichen Ansatz, der die sich wandelnden gesellschaftlichen Bedürfnisse berücksichtigt sowie auf den gesellschaftlichen Nutzen einer Immobilie fokussiert.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für die Immobilienwirtschaft bis zu den nächsten Real Estate Days?

Raymond Cron: Neben den erwähnten Themen ist für mich die Entwicklung des regulatorischen Umfelds eine zentrale Herausforderung. Aktuell bewegen wir uns in eine Richtung, wo die dringend erforderlichen Investitionen in die Modernisierung  bestehender und die Realisierung neuer Immobilien zunehmend erschwert und behindert werden. Das ist am Ende des Tages nicht im Interesse unserer Gesellschaft. In diesem Zusammenhang ist auch die diskutierte Verschärfung der Lex Koller höchst kritisch zu beurteilen.

Das Interview wurde von Adrian Kohler geführt.

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